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Frühling in Basel vor der grossen Blüte

Text & Bild (Sonnenuntergang in der Ermitage bei Arlesheim an einem frühen Märztag) von Dan Jones, Deutsch Martin Pütter

Die Landschaft rund um Basel hat einiges zu bieten, selbst wenn der Winter in seinen letzten Zügen steckt.

In der ersten Märzwoche sah ich die erste Honigbiene des noch jungen Jahres. Es war an diesem Tag das deutlichste Zeichen, dass der Frühling langsam anläuft. Diese einsame und hoffnungsvolle, Honig produzierende Sammlerin wird aber nicht mehr die früh blühenden Bäume wie etwa den Schlehdorn aufsuchen, wenn der Frühling endlich ausschlägt. Dann wird sie von Pflanze zu Pflanze schweben und an blühenden Blumen vor der Qual der Wahl stehen.

Ich war auf einem Spaziergang in den Hügel nahe Arlesheim, einen Steinwurf von Basel-Stadt entfernt, mit gut unterhaltenen Wegen, die verschiedene Bedürfnisse befriedigen – ob dies junge Familie sind, lebhafte Hunde mit ihren Eigentümern oder ernsthafte Wanderer. In dieser Zeit, gegen Ende des Winters, muss man langsam gehen oder gar stillstehen, um besonderes zu entdecken, denn die Natur ist noch zaghaft, neue Triebe zu zeigen – bis zur Fruchtbarkeit des späten Frühlings und frühen Sommers dauert es noch.

Ich befinde mich nun auf einer kleinen Ebene oberhalb Arlesheims namens Schönmatt, wo es von Kirschbäumen nur so wimmelt. Wer hier in ein paar Wochen hingeht, wird ein richtiges Naturspektakel sehen können. Die Einheimischen nennen es „Bluescht“, und es scheint, als feiere die Nature ihre eigene Fasnacht, mit der sie den Winter abschüttelt und den Frühling besingt. Das Herannahen dieser Zeit der Vielfältigkeit besingt ein kleiner buntgemischter Chor an Vögeln, die vom Winter gebeutelt waren. Aber selbst der scheue Buchfink, der sich sonst im Jahr so zurückhält, dreht jetzt aufgeplustert und zielstrebig auf.

Wildtiere sind zu dieser Zeit so schwer zu finden wie die Pflanzen. Die hochragenden grauen Buchen sind noch im Winterschlaf, wie ihre Nachbarn: die Hagebuchen, Eschen, Vogelbeerbaum, Erlen, Weissbirken und noch viele andere. Rotholz im Halbschlaf, Lärchen, Wald- und Zierbelkiefern erstrecken sich über das Tal in einem Bollwerk an Tannenbäumen an einem Hang und sind umhüllt von eigenem Vogelgesang – Erlenzeisige und Alpenbirkenzeisige üben lebhaft und unruhig ihren Gesang, bevor sie für den Sommer weiter nach Norden ziehen.

In einem Gedicht schrieb William Carlos Williams über diese Zeit des Jahres:

„Eine Einöd’ weiter Felder voller Schlamm

Braun mit trock’nem Unkraut, noch stehend oder schon gefallen.“
Vielleicht sind die wenigen Frühlingszeichen, die man jetzt hört oder sieht, darum so willkommen. Umgeben von Überresten des Winters stellen sie die Frühlings-Vorläufer dar. Und die geflügelten Vorläufer bekam ich mehr zu hören als zu sehen. Baumpieper trällerten einen süssen Auftakt zum klingenden Zwitschern des Zitronenzeisigs, als würden sie ein Duett singen. Wo der Wald Weideland und Apfelbäumen wich, waren die flötengleichen Melodien der Mönchsgrasmücke zu hören, die laut und deutlich zwischen blätterlosen Büschen pfiff. Hoch oben schwebte schlug ein Wespenbussard seine Flügel und schwebte dann stumm, um über den Feldern nach Mäusen, Wühlmausen und anderer Beute Ausschau zu halten. Amseln und Singdrosseln in den Baumspitzen sorgten für den Chor und fesselten mit einer grossen Palette an musikalischen Flötentönen (reicher als bei der Mönchsgrasmücke) und Liedern.

Der Wespenbussard und die optimistische Honigbiene liessen mich an Honig sowie an Met denken, einen der ältesten Weine in dieser Region und anderen Gegen den Europas. Ein kleines Fläschchen davon hatte ich zu meinem Picknick eingepackt. Met (engl. „honeymead“) ist der Grund, warum im Englischen die Flitterwochen „honeymoon“ heissen. Früher erhielten frisch verheiratete Paare genug Met, um einen Monat lang jede Nacht ein Glass trinken zu können – quasi um die Stimmung zu steigern und die Zaghaftigkeit abzulegen. So legt auch langsam der Frühling hier seine Zaghaftigkeit ab, angetrieben von der Sonne und der, wie manche sagen, von Pan aufgewärmten Erde.

Die Blumen des späten Winters und des ersten Frühlings auf den Weiden sowie auf den Wald- und Wegrändern verdienen auch eine Erwähnung. Die Fleischbeere, die man meist riecht, bevor man sie sieht, soll ein natürliches Aphrodiakum sein. Das zarte rosa der Strauchblüten des Duftschneeballs steht im Kontrast zum Primärgelb der geruchslosen Kernelkirsche. Und überall hängen Weidenkätzchen an den Bäumen – einige in leuchtendem Gelb, andere in Graubraun. Immer sind es die ersten Blumen, die man sieht, und sie tauchen vor den Blättern auf. Und von den Blumen, die noch kommen, sieht man am Boden die ersten Sprossen und Blätter.

Die Blätter, nach denen man nun ausschauen soll, sind die des Bärlauchs. Folgen Sie einfach Ihrer Nase, und sie werden diese fruchtbare Pflanze in den Wäldern finden; in den ersten Frühlingstagen, bevor die Pflanze blüht, sind die jungen Blätter am besten. Viele Webseiten werden Ihnen helfen, sie zu erkennen und sie in Rezepten zu verwenden. Ein weiteres Element aus der Vorratskammer der Natur, am Rand des Winters.

Sobald Sie sich den „Bluescht“ anschauen werden, gehören die beschriebenen Szenen zu einer Explosion des Lebens. Die robusten Pflanzen des frühen März stehen dann neben Millionen anderer Pflanzen, in der Symphonie des Summers

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