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Wer ist Walsers Frau?

Von Shirley L. Kearney, Deutsch von Martin PütterBild Walser wife

Die Skulptur «Walser’s Wife» von Thomas Schütte ist noch bis zum 2. Februar  in der Fondation Beyeler zu sehen. Sie ziert alle Plakate, die für diese Ausstellung werben. Wer aber ist Walsers Frau? Der Name der Skulptur weist auf den Schweizer Schriftsteller Robert Walser hin, der 1878 in Biel zur Welt gekommen und 1956 gestorben war. Sein schriftstellerisches Können sowie sein modernistischer  Stil brachte ihm Ruhm als Anführer des literarischen Modernismus, was er jedoch weder geplant noch gewusst hatte.

Einige von Walsers Geschichten wurden bereits 1898 veröffentlicht; sein erstes Buch (Fritz Kochers Aufsätze) erschien 1904, Der Spaziergang (erschienen 1917) wurde 1955 als erstes Werk ins Englische übersetzt. 1970 erfolgte dann eine regelrechte «Wiederentdeckung». Näheres gibt es im Robert Walser Zentrum in Bern. Dort befindet sich auch das Archiv. www.robertwalser.ch

Thomas Schütte schuf «Walser‘s Wife» für die Ausstellung «In the spirit of Robert Walser» an der Donald Young Gallery in Chicago (2011/12). Schütte und Young sind eifrige Anhänger Walsers, sowohl seiner frühen spielerischen und subjektiven Betrachtungsweise des Schreibens als auch seines späten, schweren und engen Stils, der sich mit dem Ansturm des Modernismus in den dreissiger Jahren durchsetzte, als sich für ihn alles zu schnell veränderte.

Etliche Mitglieder von Walsers verarmter Familie litten unter Geistesstörungen. Walser fiel es schwer, sesshaft zu werden, also wählte er die Lebensweise eines Nomaden, wanderte von einem Kanton zum anderen und sogar über die Grenze nach Deutschland. Im Alter von 50 Jahren ging er freiwillig in eine psychiatrische Anstalt, wo er die letzten 28 Jahre seines Lebens verbrachte, schrieb und nachts herum wandelte. Am 25. Dezember 1956 wurde er tot im Schnee liegend aufgefunden – ein Herzinfarkt während einer seiner nächtlichen Ausflüge.

Schüttes künstlerische, ja magische Fähigkeit, aus hartem Material eine innere Welt mit wandelnden emotionalen Zuständen hervorzurufen und sie in fiktive Porträts zu verwandeln hätte Robert Walser wohl gefallen. Vielleicht schuf er «Walser’s Wife» – wohlwissend, dass Walser nie geheiratet hatte – als emotionelles Inneres des Schriftstellers, nämlich zurückgezogen und nachdenklich. Welch eine perfekte Verbindung von Empfindsamkeiten.

Für Schütte war Walser «sehr wohl ein Grosser unter den kleinen Schriftstellern».

Hören Sie Thomas Schütte im Gespräch über Walser am Goethe-Institut Chicago im Februar 2012, als Teil einer Präsentation während des Robert-Walser-Symposiums.

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