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Antiker Luxus und ein ungelöstes Rätsel

Das Antikenmuseum Basel zeigt in einer Sonderausstellung die Überreste eines Schiffes, das bei Antikythera in der Nähe Kretas gesunken war. Es hatte neben den im antiken Rom beliebten Marmorstatuen, Schmuck und kunstvoll verzierte Vasen auch einen Bronze-Würfel geladen, der noch heute Rätsel aufgibt.

Von Isabelle Wanner

Der sogenannte Mechanismus von Antikythera ist die Hauptattraktion der Sonderausstellung in Basels Antikenmuseum ist. Es handelt sich um einen bronzenen Würfel, bestehend aus mehreren übereinander liegenden Zahnrädern, der die Bewegungen von Mond und Sonne berechnen konnte und wohl als eine Art Kalender genutzt wurde. Doch der Forschung gibt er weiterhin Rätsel auf – denn ganz genau ist die Funktion des auch als Urcomputer bezeichneten Fundstückes noch immer nicht definiert. Die Ausstellung zeigt auf beeindruckende Weise, wie der Mechanismus funktioniert und widmet einen Teil dem Uhrenhersteller Hublot, der den Mechanismus auf kleinstem Raum nachgebaut hat. Es ist möglich, ein Stück Antikythera am Handgelenk zu tragen, sodass die Antike mit dem Heute verbunden wird.

Wie schwer das griechische Transportschiff von Antikythera beladen war, zeigen die zahlreichen Ausstellungsstücke. Ein Sturm 70 v. Chr. wurde dem Transportschiff zum Verhängnis: Bei Antikythera nahe Kreta sank es und riss die gesamte Ladung und Besatzung mit sich in die Tiefe. Erst im Jahr 1900 entdeckten Schwammtaucher das Wrack in 55 Metern Tiefe und borgen hunderte von antiken Kunstschätzen. Bis heute ist das Wrack immer wieder Ziel von Tauchexpeditionen. Auch der Pionier der Meeresforschung, Jacques-Yves Cousteau, näherte sich den Überresten des Schiffes in den 1950er und 1970er und brachte weitere Kunstwerke ans Tageslicht. Die jüngste Expedition war im Sommer 2015, um noch mehr über die Kunstwerke des Hellenismus zu erfahren.

Zu den beeindruckenden Fundstücken gehören lebensgrosse Statuen aus Marmor und Bronze, sowie einige goldene Schmuckstücke und zahlreiche Vasen. Durch die lange Lagerung auf dem Meeresgrund sind die meisten Statuen stark beschädigt, sind aber oft an ihren Haltungen und Attributen zu erkennen, wen sie darstellen. Von den Spuren der Zeit und des Wassers gezeichnet werden sie gezeigt, und dank gekonntem Einsatz von Lichtregie, Spiegeln und Meerbildern scheinen sie noch immer auf dem Meeresgrund zu liegen.

Eine weitere Besonderheit des Schiffes von Antikythera ist eine Bestellung des berühmten römischen Redners, Politikers und Philosophen Cicero. Aus seinen Briefen ist zu entnehmen, dass er ungeduldig auf die Lieferung gewartet hatte – leider vergebens. Wie eng der kulturelle Austausch zweier Völker war, bezeugt der Fund des Wracks von Antikythera. Die gesamte Ladung des Schiffes lässt diesen Kulturtransfer erkennen. So wurden zum Beispiel Speisebetten, die in Rom als Statussymbol galten, auf der griechischen Insel Delos hergestellt.

Die Ausstellung beleuchtet nicht nur die Ladung, sondern auch das Schiff selbst. Es muss ein älteres Modell gewesen sein, da das verwendete Holz bereits um 200 v. Chr. geschlagen wurde. Das zeugt von der Qualität griechischer Schiffsbauer. Weitere Fundstücke zeigen die ausgeklügelte Technik, die bei der Beladung zum Einsatz kam. Bleierne Gewichte und das richtige Verstauen der Ware halfen gegen das Kentern des Schiffes.

Führungen auf Deutsch finden jeden Donnerstag statt. Führungen auf Französisch und Englisch werden jeweils jeden zweiten und dritten Sonntag im Monat angeboten. Die Sonderausstellung läuft noch bis am 27. März 2016.

Antikenmuseum Basel
Der versunkene Schatz
St. Alban-Graben 5
4010 Basel

 

Für Öffnungszeiten, Eintrittspreise und Führungen – bitte auf den obenstehenden Link (Der versunkene Schatz) klicken.

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