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Basel und Basilisken – eine ganz besondere Beziehung

Die Einwohner Basels sind stolz auf ihr Wappentier, den Basilisk. Wo man auch hingeht, begegnet man seinem Abbild. Auf Brunnen oder Brückenpfeilern thronend bewacht er die Stadt.

Von Nicole J. Bettlé

Basilisk_Front
Am Totentanz befindet sich Basels ältester Basiliskenbrunnen

Der Legende nach hauste der Basilisk einst in einer Höhle, wo heute der Gerberbrunnen steht (Gerberberglein). Eine Inschrift beschreibt diese Legende. Der Basilisk ist nicht mit einem Drachen oder einem Lindwurm zu verwechseln. Letztere sind im Vergleich zu ihm schon fast harmlos. Obwohl ein kleiner Wicht – er hatte ungefähr die Grösse der heutigen Brunnenskulpturen – war er sehr gefürchtet. Mit seinem Atem konnte er Menschen töten, mit einem Blick Stein in Staub verwandeln – solange die Sonne schien. Auch bewegte er sich nicht kriechend fort, sondern schritt stolz auf zwei Beinchen daher. Doch wo er schritt, verdorrte das Gras. Sein Körper war mit Gift durchtränkt. Was immer er berührte, war dem Tode geweiht. Wie Medusa konnte auch ihn nur sein eigener Anblick töten.

Augustinerbrunnen_front
Der erste Brunnen, der einen Basilisken erhielt (1539), steht in der Augustinergasse

Aus dem Ei des Hahns
Der Mythos vom Basilisken ist uralt. Eine erste ausführliche Beschreibung lieferte der römische Naturforscher Plinius der Ältere 50 n. Chr. Dem damaligen Glauben nach schlüpfte der Basilisk aus einem Ei. Gelegt wurde dieses von einem alten Hahn, ausgebrütet hingegen von einer Schlange oder Kröte.

Galluspforte_02
Ein Basilisk an der Galluspforte des Basler Münsters (Linkes Bild: Wikipedia)

Wie gross die Angst vor dem Basilisk war, zeigt sich am Beispiel eines Eintrags in einer Basler Chronik (1624). Hier wird erwähnt, dass im August 1474 ein 11jähriger Hahn ein längliches Ei gelegt hatte. Das wurde als schlechtes Omen gewertet. Schnurstracks wurde nach dem Henker gerufen. Dieser persönlich köpfte das Federtier und schnitt den Leib des Vogels auf, wobei er angeblich drei weitere Eier fand. Den Kadaver sowie die Eier verbrannte der Henker sogar selber – für gewöhnlich übertrug er dem Abdecker oder Wasenmeister die Entsorgung von Tierkadavern, da dies aus religiösen Gründen als besonders unreine Tätigkeit aufgefasst wurde.

Münsterfront
Ein Basilisk ziert auch die Vorderseite des Basler Münsters

Brunnenzier
Heute dominieren vor allem die Basiliskenbrunnen das Stadtbild. Sie gehen auf einen Wettbewerb von 1884 zurück, den Wilhelm Bubeck, der damalige Direktor der Gewerbeschule, gewann. Dank ihm erhielt Basel 19 mit Basilisken verzierte Brunnen. Bis in die 1920er Jahre erhöhte sich ihre Anzahl auf fast 50 Stück. Heute sind gerade noch 28 von ihnen erhalten. Der älteste befindet sich am Totentanz (1896). Als allererster Brunnen erhielt jedoch der Brunnen an der Augustinergasse 1530 einen Basilisken – dieser umfasst das Basler Wappen mit seinen Krallen.

TBJ_Basilisk
The Basel Journal wählte den Basilisken auch schon mal in einer Montage für die Titelseite seiner Papierausgabe (Bild © Copyright Kathi Horn)

Wie sich das Fabelwesen offiziell zum Wappentier mauserte, ist auch sagenumwoben. Die ältesten Abbildungen von Basilisken finden sich an den Mauern des Basler Münsters, etwa an der Galluspforte. Sie entstanden zwischen 1160 und 1195. Ein weiteres Relief ist im Basler Rathaus zu besichtigen. Einer Legende nach hauste der Basilisk unter dem heutigen Gerberbrunnen. Eine andere Geschichte erzählt: Ein Kaufmann soll während des Basler Konzils (1431-1449) ein ausgestopftes Exemplar ausgestellt haben. Dieses gefiel dem Basler Rat so gut, dass sie den Basilisken zum Wappenhalter der Stadt kürten. Der Schriftsteller Beatus Rhenanus (1485-1547) wiederum behauptet, dass er durch ein Wortspiel zum Kennzeichen der Stadt wurde. Erstmals als städtisches Wappentier schriftlich bezeugt wird der Basilisk in einer Handschrift aus dem Jahr 1448.

Gerberbrunnen_02
Im Gerberbrunnen soll einst ein Basilisk gehaust haben

Augenbalsam
Als beliebteste Erklärung gilt die Ähnlichkeit der Namen „Basel“ und „Basilisk“. Als Vergleich herangezogen wird dazu oft die Bezeichnung „Basilea“, die vom griechischen „Basilus“ (Herrscher, König) abgeleitet wird. Doch die Römer, die unsere Heimatstadt als erste in ihren Schriften erwähnen, nannten sie vielmehr „Basilia“. Der antike Historiker Ammianus Marcellinus berichtet erstmals in seiner „res gestae“ vom Bau einer Befestigungsanlage bei „Basilia“ durch Kaiser Valentinian I. (364-375). Dass der Name erst nach dem Aufenthalt des Kaisers gebräuchlich wurde, wird sogar besonders hervorgehoben. Davor hiess sie übrigens „Robur“. Der Begriff „Basilia“ bedeutet „Augensalbe“ oder „fürstlicher Schmuck“. Frei übersetzt könnte man also sagen: „eine Zierde fürs Auge“. Und das sind auch Basels Basilisken.

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Der letzte Hüter der Wettsteinbrücke (Bild: Wikipedia)

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