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Burgenromantik in der Region (3): Pfeffingen

Die Burgruine Pfeffingen ist nicht nur die grösste Burganlage des Basellands, auf dem Blauensporn ragend ist sie auch eine Augenweide.

Von Nicole J. Bettlé

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Von Norden her, kurz vor der Ruine Pfeffingen

Als es zu gefährlich für die Besucher wurde, schloss der Kanton Baselland die Burgruine Pfeffingen – nun steht sie wieder kostenlos zur Besichtigung offen. Für ein Budget von rund sieben Millionen Franken wurde sie seit 2013 umfassend renoviert. Mitte August 2017 kamen die Arbeiten endlich zum Abschluss. Ihres stählernen Korsetts entledigt, thront sie nun wieder in ihrer ganzen Pracht über dem Birstal.

Aufbau und Umbau
Mit ihrem unübersehbaren Wohnturm, ihrer langgezogenen Schildmauer, der turmbewehrten Toranlage und einer Steinbrücke gehört die Burgruine Pfeffingen zweifellos zu den imposantesten Relikten aus der Ritterzeit. Erbaut wurden die steinigen Monumente alle zwischen dem 13. und 16. Jahrhundert, als die Burgenkultur auf ihrem Höhepunkt stand.

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Der Blick auf die Ruine Pfeffingen von Südosten her

Die Grundsteinlegung für die Burganlage im Birstal erfolgte jedoch sehr viel früher. Gegründet wurde sie sehr wahrscheinlich bereits im frühen 11. Jahrhundert. Von diesem ersten Baukomplex sind aber keine Reste erhalten geblieben. Die ältesten Bauteile, die noch heute zu besichtigen sind, stammen aus dem 13. Jahrhundert, als die Burg eine umfassende Umgestaltung erfuhr.

Während des Erdbebens von Basel (1356) erlitt sie schwere Schäden, aber im Gegensatz zu vielen anderen Burgen in der Gegend wurde sie relativ schnell wieder aufgebaut. Der eindrückliche Wohnturm, der die gesamte Anlage dominiert, entstand in den 1380/90er Jahren. Neu hinzu kamen zu dieser Zeit auch der westliche Zwinger und das äussere Tor.

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Die Beschreibungen sind zwar ausführlich, aber im Gegensatz zur wenig entfernten Landskron nur ein einer Sprache

Der westlich gelegene „Hexenturm“ entstand ebenfalls im 14. Jahrhundert. Warum er diesen Namen erhielt, ist unklar. Hexenprozesse fanden erst ab den 1440er Jahren im Baselland statt (damals Bistum), und dies vorwiegend in den Gegenden um Muttenz, Liestal und Waldenburg. Ausserdem existieren keinerlei Belege dafür, dass hier je eine wegen Hexerei angeklagte Person eingesessen hätte.

Bewegende Geschichte im Dunkeln
Fast ebenso mysteriös wie ihre älteste Bau- und Hexenturmgeschichte sind auch teilweise ihre Besitzverhältnisse. Warum nur spärlich Informationen über diese frühen Ereignisse vorhanden sind und vieles im Dunkeln liegt, ist aber durchaus erklärbar. Erst ab dem Frühmittelalter wurden Rechts- und Besitzansprüche detailliert in Wort und Schrift für die Nachwelt konserviert.

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Am Westtor

Auch im Fall der Pfeffinger Burg liegt vieles im Dunkeln. Wer ihr Gründer war, ist nur indirekt nachvollziehbar. Zwar taucht in einer Urkunde aus dem Jahre 1135 erstmals ein „Notker von Pfeffingen“ als Eigentümer auf, doch ob er wirklich, wie viele Forscher annehmen, mit dem mächtigen Geschlecht der Grafen von Saugern verwandt war, dafür fehlen eindeutig Belege.

Nichtsdestotrotz befand sich die Pfeffinger Burg nachweislich die ersten Jahrzehnte ihres Bestehens im Besitz der Familie Saugern, eines ursprünglich elsässischen Geschlechts. Obwohl diese Familie sehr einflussreiche Herrscher hervorgebracht hat, ist kaum etwas über sie bekannt. Nicht einmal ihr Familienwappen ist überliefert, es kann nur indirekt erschlossen werden. Das erste urkundliche Auftreten eines Grafen von Saugern jedenfalls datiert auf das Jahr 1102.

Ausreichend Informationen sind dagegen über ihre Erben vorhanden, die Hochadelsfamilie der Thiersteiner. Sie stammen ursprünglich aus dem Fricktal und kamen um 1200 in den Besitz der Burg. Aber auch in ihrem Fall werfen die Quellenangaben manchmal Fragen auf. Zwischen 1247 und 1288 beispielsweise werden gleich vier verschiedene Berchtolde von „Pfaiffingen“ oder „Pheffingen“ in den Urkunden erwähnt. Um welche Thiersteiner Abkömmlinge es sich dabei gehandelt haben soll, ist nicht eindeutig geklärt. Schliesslich ging der Vorname fast immer auf Sohn und Enkel über.

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Der Blick zum Gempen und nach Dornach

Gesichert ist, dass im 13. oder 14. Jahrhundert das Bistum Basel die Lehenshoheit über die Pfeffinger Burg erhielt, sie jedoch weiterhin Hauptsitz einer Linie der Familie Thierstein blieb. Ab 1212 wohnte hier eine Familie Schaffner, thiersteinische Dienstleute. Wie es zu dem bischöflichen Lehensrecht kam, ist ebenfalls sagenumwoben. Ganz offensichtlich war das Verhältnis zwischen dem Basler Bischof und den Thiersteinern nicht besonders gut, denn 1335 liess der Bischof die Burg belagern. Vermutlich kam es zur Auseinandersetzung, da zur selben Zeit das Geschlecht der Wider das urkundliche Recht erhielt, den Burgvogt zu bestimmen. Sie waren die Erben der Familie Schaffner.

Unruhige Zeiten
Als die Familienlinie Thierstein-Pfeffingen 1519 ausstarb, besetzten Basler Truppen die Burg. Solothurn erhob jedoch ebenfalls Anspruch auf sie, und es kam zu einem Erbschaftsstreit. Erst 1522 konnte er beigelegt werden, indem man ihr ungeteiltes Lehensrecht dem Bischof von Basel überschrieb. Fortan diente sie als Sitz der bischöflichen Landvögte. 1583 übertrug Bischof Jakob Blarer von Wartensee die Burgvogtei seinem Bruder Wolfgang Dietrich. Das Geschlecht Blarer erhielt schliesslich auch das verbriefte Recht, die Pfeffinger Burg in ihren Reihen weiterzuvererben.

Im 16. Jahrhundert war die Burganlage ein Zankapfel zwischen Basel und Solothurn. Doch bereits zuvor hatten dieselben versucht, sie gewaltsam in Besitz zu nehmen. 1376 und 1406 marschierten die Basler vor ihren Toren auf und führten Belagerungen durch. Die Solothurner wiederum griffen sie im Jahre 1499 an.

Aber auch ausländische Mächte versuchten immer wieder begierig, die Herrschaft über sie an sich zu reissen. 1446 eroberte der österreichisch-sundgauische Landvogt Peter von Mörsberg die Pfeffinger Burg. Während des 30jährigen Kriegs wiederum nahm sie der Herzog Bernhard von Sachsen-Weimar ein (1637). Erst elf Jahre später und schwer durch die schwedischen Truppen beschädigt, übergab man sie wieder ihrem vormaligen Besitzer. Seine Nachfolger gaben sie 1748 endgültig auf. Danach hauste eine Zeitlang ein Einsiedler in ihren Gemäuern, und 1761 wurde sie schliesslich für den Abbruch freigegeben.

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Der Blick Richtung Basel und zum Schwarzwald

Auf dem Höhepunkt der Ritterkultur war die Pfeffinger Burg dank ihrer Lage ein beliebtes und umkämpftes Prestige- und Machtobjekt. Doch im 18. Jahrhundert war ihr Ansehen verblasst und ihr Nutzen hinfällig geworden. Erst knapp zwei Jahrhunderte später kam wieder Interesse für sie auf. 1931 erwarben Privatleute die Ruine, liessen die Burgreste freilegen und erste Sanierungsarbeiten durchführen. Zehn Jahre darauf kaufte der Kanton Basel-Landschaft ihre Rechte auf.

Die Pfeffinger Burgruine, die einen wunderbaren Ausblick über das Birstal bis in den Schwarzwald und die Vogesen gewährt, ist von Basel aus leicht zu erreichen. Wer die öffentlichen Verkehrsmittel benutzt, fährt am besten vom Bahnhof SBB aus mit der S3 bis Dornach-Arlesheim und nimmt von hier aus den Bus 65. Von seiner Station „Pfeffingen Post“ aus erreicht man sie zu Fuss innerhalb von 15 Minuten. Wer mit dem Auto anreisen möchte, fährt auf der Autobahn N18 (Süd) bis zur Ausfahrt Aesch und schliesslich Richtung Pfeffingen. Tipp für die Wanderbegeisterten: der Wanderweg „Via Jura“ führt direkt an der Ruine vorbei.

Weitere Burggeschichten finden sich im Artikel…
„Eine Burg gehörte zum guten Ton“ (Heft 3/2014, S. 6-13).

Alle Bilder © 2017 Copyright TBJ/Martin Pütter

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