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Burgenromantik in der Region Basel (2): Landskron

Der Werdegang der Ruine Landskron im französischen Leimental liest sich fast wie ein Historienthriller. Aber auch eine Kolonie von Affen trieb hier schon ihr Unwesen.

Von Nicole J. Bettlé

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Die Landskron

Heute an der Grenze zwischen Frankreich und der Schweiz, war die Landskron seit ihrer Errichtung ein umstrittenes Objekt grosser Herrschaftsmächte. Selbst Kaiser Maximilian I. und Napoleon Bonaparte, zwei der bedeutendsten Herrscher der europäischen Geschichte, setzten ihren Fuss auf den Burghügel zwischen Leymen und Flüh (Solothurn). Doch nicht nur sie und viele andere Adelsfamilien nannten die Landskron einst ihren Herrschaftssitz.

Schon früh Streit
Als Gründer der Landskron gilt die Familie Münch. Sie soll die Burg um 1250 erbaut und kurz darauf das Lehensrecht an die Grafen von Pfirt und die Freiherren von Rötteln abtreten haben. Der Grundstein zu ihrer Erbauung wurde jedoch vermutlich bereits im 11. Jahrhundert gelegt. Detaillierte Angaben über ihre Geschichte sind jedoch in der Tat erst seit dem 13. Jahrhundert überliefert. Während dieser Epoche führte das geteilte Lehen immer wieder zu Streit um die Besitzverhältnisse. Um 1297 kam es sogar zum Ausbruch einer Fehde zwischen den Grafen von Pfirt und den Basler Rittergebrüder Viztum, Nachkommen der Herren von Rötteln und Münch.

Nach dem Aussterben der Familie Rötteln 1316 erhielt der Markgraf von Hachberg deren Lehensanteil. Das Lehensrecht der Pfirter wiederum ging 1324 an das Haus Habsburg-Österreich über. 1461 starb auch der Zweig der Münchs aus. Ihr Rechtsanspruch ging an die Familie Reich von Reichenstein. 1504 erwarben die Markgrafen von Baden die Lehensherrschaft über die Burg. Doch nicht nur davor, sondern auch danach versuchten Herren und Herrscher, sie in ihren Besitz zu bekommen.

Mächteringen um eine Grenzburg
Die Landskron geht im Verlaufe der Jahrhunderte durch die Hände vieler lokaler Adelsfamilien. Sie ist aber auch immer wieder Zankapfel verschiedenster Mächte. Vor allem während des 15. und 16. Jahrhunderts wird auf der Landskron Schweizer Geschichte geschrieben. Im Jahre 1468 u.a. nehmen die Solothurner die Grenzburg ein. Doch bereits wenige Monate später müssen sie sie wieder aufgeben.

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Der Blick zum Blauen

1499 entschieden die Eidgenossen mit der berühmten „Schlacht bei Dornach“ den Schwabenkrieg (Schweizerkrieg) für sich. Ein bedeutender Sieg, legte er doch den Grundstein für eine unabhängige kulturelle und rechtliche Entwicklung der Schweiz. Sogleich versuchten auch die Solothurner erneut, die – nach damaligen Verhältnissen – in der Nähe liegende Landskron in Besitz zu nehmen. Doch wieder scheitern sie.

Für die erfolgsverwöhnten Eidgenossen war dies kein Grund aufzugeben. 1504 geht die Landskron zwar an die Markgrafen von Baden. 1515 jedoch erwerben die Solothurner die Herrschaft Rotberg und werden so zum unmittelbaren Nachbarn der oberelsässischen Grenzburg. Ein politischer Schachzug, der Folgen hat.

Schon während des Schwabenkriegs kämpfen die Eidgenossen gegen das Haus Habsburg-Österreich und den Schwäbischen Bund. Mit dem Kauf des Rotbergs durch Solothurn wird die Landskron und das sie umgebene Umland wieder zum Zankapfel der Mächte. Kaiser Maximilian I. von Habsburg will dem Expansionsdrang der Eidgenossen endlich Einhalt gebieten. Dazu unterstützt er die Reichs von Reichenstein. Unter ihrer Regie wird die Landskron zwischen 1515-1518 zur Festung ausgebaut.

Über ein halbes Jahrhundert später versuchen die Basler ihr Glück. Um 1570 zeigt sich die Familie Reich bereit, die Burg an sie zu verkaufen. Doch das habsburgische Österreich verweigert seine Zustimmung. Erst zehn Jahre später lenken die Herren der Habsburger ein und sind bereit, einem Verkauf der Landskron ihren Segen zu geben. Aber die Basler sind nun an einem Kauf nicht mehr interessiert. Die Blütezeit der Burgen- und Ritterkultur ist vorbei. Die Politik wird immer mehr von den reichen Stadtbürgern und Zünften bestimmt.

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Informationen zur Burg sind in drei Sprachen erhältlich

Das Mächteringen geht weiter
Auch zwischen dem 17. und 19. Jahrhundert bleibt die Landskron ein Streitobjekt und Kriegsschauplatz. Zwischen 1618 und 1648 zieht der „Dreissigjährige Krieg“ eine Schneise der Verwüstung durch Europa. 1639 geht die Landskron zuerst kampflos an die Schweden über, dann an ihre französischen Verbündeten. Im „Westfälischen Frieden“ (1648) wird zwar entschieden, dass der Markgraf von Baden wieder das Lehensrecht erhalten soll, doch Frankreich weigert sich, die Burg zu räumen. Erst 1663 wird ihr rechtmässiger Besitzer mit einer Rente abgefunden. Die Reichs wiederum zahlte man sogar erst 1665 aus.

Unter dem Kommando der Franzosen wird die Landskron erneut durch Sébastien Le Prestre de Vauban umgebaut (1670-90). Sie wird zur Garnison (militärischer Umschlagplatz). Auch ein Staatsgefängnis wird eingerichtet. Um den bekanntesten Gefangenen namens Bernard Duvergez de Soubardon aus Louisiana ranken so einige Legenden. Der junge Hauptmann, Sohn eines französischen Ingenieurs und 1737 in New Orleans geboren, wird 1769 auf Geheiss des Königs Ludwig XV. auf der Landskron gefangen gesetzt. Angeblich hatte er Staatsminister Etienne-François de Choiseul während eines Banketts beleidigt.

Schon sehr bald ging die Geschichte um, dass der Grund der Auseinandersetzung zwischen dem höfischen Lebemann Duvergez und dem Minister eine Frau gewesen sein soll. Die Legende besagt, dass sie zwanzig Jahre nach ihrem Geliebten gesucht haben soll, bis sie ihn auf der Landskron aufgespürte und seine Flucht organisierte. In Wahrheit starb Duvergez nach über 20jähriger Haft in geistiger Umnachtung.

Um 1790 schliesslich errichtet man auf der Landskron auch ein Lazarett. Doch sein Bestehen ist nicht von langer Dauer. Denn im Dezember 1813 ist die Burg Schauplatz eines Gefechts zwischen Napoleon und den verbündeten Bayern und Österreichern. Sie erobern die Festung an Weihnachten nach dreitätigem Beschuss. Danach wird die Landskron geplündert und im Februar 1814 durch ein grosses Feuer stark beschädigt. Ende Juni geben ihr die Eroberer den letzten Rest, als sie sie sprengen. Schliesslich wird die zur Ruine gewordene Landskron versteigert und als Steinbruch ausgebeutet. Erst die Familie von Reinach-Hirzbach, die 1857 die Grenzburg aufkauft, verhindert ihre vollkommene Zerstörung.

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Schwer zu glauben, aber hier tummelten sich auch mal Affen

Ein Stück französisch-schweizerische Geschichte
Dass die Landskron ein derart beliebtes Herrschaftsobjekt darstellte, ist mit ihrer aussergewöhnlichen Lage zu erklären. Noch heute hat man vom hohen Turm aus eine atemberaubend weite Aussicht ins Elsass, die Vogesen, den Schwarzwald und die Rheinebene. Ihren historischen Wert erkannten die Franzosen auch 1923 und erklärte sie zum „Monument historique classé“. Einer ihrer späteren Besitzer jedoch schätzte das wertvolle Kulturobjekt eher gering ein und siedelte 1970 eine Affenkolonie auf der Landskron an.

Nachdem die Landskron 1980 wieder zum Verkauf stand, wollte man weitere Missbräuche und Beschädigungen der Burg verhindern. Dazu gründete man 1983 den französisch-schweizerischen Verein Pro Landskron. Er erwarb die Ruine 1984 und liess sie seitdem umfassend restaurieren. Während 1988-89 und 1998-99 wurden für fast zwei Millionen Schweizer Franken umfassende Renovierungen durchgeführt.

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An guten Tagen ist die Aussicht von der Landskron überwältigend

Der Verein Pro Landskron zählte bereits in den 1980er Jahren rund 1‘000 Mitglieder, die sich intensiv dafür einsetzen, dass die Ruine auch für spätere Generationen erhalten bleibt und für grenzüberschreitende Aktivitäten genutzt werden kann. Bei einer dieser Aktivität handelt es sich um die sehr beliebten mittelalterlichen Feste. Die nächsten zwei Veranstaltungen werden 2019 durchgeführt. Bis dahin ist die Ruine Landskron weiterhin täglich und kostenlos zu besichtigen.

Interessierte erreichen die Landskron von Basel aus mit dem 10er Tram. Von der Station Flüh Bahnhof aus führt ein Weg via „Steinrain“ und „Tannwaldweg“ innerhalb von 30 Minuten über die grüne Grenze zur Burg hoch. Wer es eilig hat, kann auch im Steinrain eine steile Treppe (rechte Seite) besteigen, die zur Ruine hinaufführt. Wer zu müde zum Laufen ist, der fährt mit dem Auto bis zum Parkplatz, der sich gleich unterhalb der Burg befindet. Von dort aus führt ein fünfminütiger Fussweg zur Landskron hinauf.

Weitere Burggeschichten finden sich im Artikel:
„Eine Burg gehörte zum guten Ton“ (Heft 3/2014, S. 6-13).

 

Alle Bilder © 2017 Copyright TBJ/Martin Pütter

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