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Clubs in Basel werden zu gefährdeten Spezies

Von Benjamin Spencer, Deutsch Martin Pütter

In den jüngsten Jahren erlebte Basels Nachtleben eine Blüte: Clubs zogen Menschenmenge an, die zuvor zum Durchtanzen der Nacht nach Zürich reisten. Doch nun tauchten Probleme auf.

Die Ankündigung, dass innerhalb der nächsten zwölf Monate „Nordstern“ und „Hinterhof“, zwei der grössten Lokale der Stadt, schliessen würden, sorgte für grosse Besorgnis sowohl bei Clubbesitzern als auch bei Partygängern. Beide Clubs mieten ihre Räumlichkeiten von der Stadt. Ähnliche Nachrichten kamen von „Garage“ und „Lady Bar“, und dann hiess es auch, die „Kuppel“ würde schliessen, sofern sie ihre Räumlichkeiten bis 2017 nicht aufmöbelt.

 

Aufrufe zum Handeln durch die Partygänger gingen durch die sozialen Medien; es entstand sogar eine eigene Facebook-Seite – „Für ein junges, lebendiges Basel – mit gegenwärtig über 6‘000 Anhänger und einer aktiven Gemeinschaft an Unterstützern.

 

Hitzig wurde es Mitte Mai, als „Kulturstadt Jetzt“, ein Komitee mit dem Ziel einer Annäherung zwischen Kultur und Stadt, unter der Schlagzeile „Basel-Stadt will elektronische Musik verbieten“ eine Pressemitteilung veröffentlichte und darin eine Änderung der Lärmmessung kritisierte, speziell für Basstöne. Das Komitee erwähnte Befürchtungen, dass Clubs die Lautstärke so tief senken müssten, dass damit die Musik ihrer Kraft beraubt würde, für Energie und Freude zu sorgen. Laut waren Aufschrei und Kritik, und viele glauben, es käme zu Angriffen auf die Kunst. „Kulturstadt Jetzt“ verglich die Regelung mit einem Verbot einer Ausstellung von Gemälden mit leuchtenden Farben.

 

Die Debatte wurde so hitzig, dass die Basler Tageszeitung „TagesWoche“ kurz darauf eine Podiumsdiskussion veranstaltete, zu der über 300 „Nachteulen“ kamen, wie sie Moderator Marc Krebs in seiner Einleitung nannte. Unter den Gesprächsteilnehmern waren Matthias Nabholz, Leiter des Amts für Unwelt und Energie (AUE), welches für Lärmvorschriften und deren Einhaltung in Basel zuständig ist. Nabholz erklärte, dass die Regelung nicht geändert worden sei und das Dokument, welches für Aufruhr gesorgt hatte, nur eine Klarstellung bezüglich nationaler Richtlinien für Toningenieure sei, welche Lärmmessungen vornehmen. Trotzdem vermuteten die Anwesenden im Saal, dass etwas im Gange sei, und Nabholz‘ politisch brisante Erklärung, dass Basel-Stadt kein Problem mit Lärm habe, es aber ein Problem für die Clubbesitzer sei, schuf ihm keine Freunde.

 

Es folgte eine lange, hitzige und oft technische Debatte über Dezibel und Formeln, in deren Verlauf auch klar wurde, dass ein grosser Raum für die Auslegung der Lärmregulierung besteht. Mirjam Ballmer (Grossrätin der Grünen und Vertreterin von „Kulturstadt Jetzt“) stellte dabei die Forderung an das AUE, die Lärmregulierung für Clubs doch etwas liberal auszulegen. Der weitere Gesprächsverlauf erlaubte Kulturchef Philippe Bischof die versöhnliche Seite Basel-Stadts zu zeigen; er versprach Kooperation und Unterstützung für das Nachtleben und die Kultur der elektronischen Musik in Basel, soweit es in seinem Machtbereich stehe.

 

Weitere Fragen tauchten auf, als die anwesenden Nachteulen und Basels Jugend am Gespräch teilnahmen. Wie können neue Clubs, die gerade Fuss fassen, die Kosten decken für teuren Lärmschutz sowie die Toningenieure für Lärmmessung? Sollte die Stadt nicht dabei helfen? Sind Beamte wie Matthias Nabholz nicht Dienstleister, welche die Menschen in Basel dabei unterstützen sollten, eine lebendige und kulturell vielfältige Stadt zu sein, die in die Zukunft schaut und zu der Jugend, die diese Zukunft schafft? Die Hauptfrage bleibt aber: was nun für Basels Clubs? Es wird immer schwerer, ein solches Unternehmen hier zu wagen.

 

Gregory Brunold von „Nordstern“ teilte seine Erfahrung, in Basel einen neuen Club zu eröffnen, und wie schwer es sei, ein neues Lokal zu finden für eine nun weltbekannte Marke, die vor 15 Jahren als kleines Kunstprojekt begann. Marco Schmutz vom innovativen neuen Club „Kaschemme“ sprach von Messungen mehrschichtigen Lärms und Anforderungen an Schallschutz, welche für Kosten in der Höhe von einigen tausend Franken sorgen. „Kaschemme“ hat unmittelbare Nachbarn, und deren Ruhe und Erwartungen an ungestörten Schlaf sind wichtig, aber es folgte auch der Hinweis, dass sich nahe dieser Häuser auch ein Fussballstadion sowie Basel Stadtautobahn befänden – dafür ist Nabholz‘ AUE nicht zuständig.

 

Das Treffen endete mit dieser versöhnlichen Note: Die Beteiligten stimmten überein, dass Kooperation wichtig sei und Schritte fällig seien, um Basel als Kulturstadt zu fördern und als Stadt, die sich um ihre Bürger kümmert. Was auch immer in den nächsten Jahren kommt, Basels Nachtleben floriert im Moment, und das ist Grund genug, es zu geniessen, nach dem Basler Motto „Es het, so lang’s het.“ Wo sonst kann man feines Essen wie in der „Lady Bar“ geniessen, danach im Raum daneben tanzen, die Dachbar vom „Hinterhof“ zu Sonnenuntergang besuchen, „Nordstern“ um sieben Uhr morgens verlassen sowie den ganzen Sonntag in der „Kaschemme“ tanzen?

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