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Der Ruf der Wildnis inmitten der Stadt

Von Dan Jones, Deutsch Martin Pütter

Je näher der Sommer rückt, umso eher sind in den langen Abend- und frühen Morgenstunden nachtaktive Tiere zu sehen, die in der Stadt hausen.

Nachtigallen und Nachtschwalben, die im schwindenden Licht später Abende singen – man kann sie hören und bei genauem Hinschauen auch sehen. Letztere starren wie ein Habicht, bewegen keine Feder, selbst wenn man genau auf sie zugeht. Nachtschwalben sind je nach ihrer Vorliebe in verschiedenen Parks zu sehen, so etwa im Solitudepark, zwischen Roche, Rhein und Tinguely-Museum, oder im Kannenfeldpark, besonders zur Dämmerung, wenn sie noch schläfrig und unterkühlt ist. In meinen Augen sieht die Nachtschwalbe eher wie ein Sperber aus als wie ein Singvogel. Kein Vergleich zu den anderen Mitgliedern im Vogelchor – Amsel, Singdrossel, Spötter und andere. Echte Sperber sind am Tag entlang von Hecken und Bäumen zu sehen, wie sie bei hohem Tempo auf und ab flattern oder schweben. Als Beute reissen sie gerne Tauben, aber auch andere Vögel, die in Basel zu finden sind – und davon hat’s genug. Ich habe Sperber bisher nur aus Distanz gesehen; ihre Scheu ist umgekehrt proportional zum radikalen Reissen ihrer gefiederten Beute.

Was auch selten zu sehen ist: ein Eisvogel – ein Angler sah einen vor wenigen Wochen unterhalb der Schwarzwaldbrücke. Wenn sie andere Wasservögel sehen wollen: Warum springen sie im Sommer nicht in den Rhein? Ich schaue mir Wasservögel am liebsten auf Augenhöhe an, wenn ich stromab auf Kleinbasler Seite treibe – wer neben sich etwa einen Haubentaucher sieht, wird mich verstehen. Aber bevor ich zu lange bei unseren gefiederten Freunden verweile, die mit uns Gärten, Flüsse oder Parks teilen (Reiher, Kraniche, Spechte, Rotkehlchen, Eichelhäher, usw.), wechsle ich von Feder zu Fell.

Der schlaue Fuchs ist mittlerweile öfter im Umfeld von Hochhäusern als auf grünen Hügel zu sehen; Füchse leben schon seit langer Zeit in den Städten. Einige besonders schlaue Füchse haben jedoch Bauten sowohl in der Stadt als auf dem Land und ziehen zwischen diesen beiden hin und her. „Städter“ sind dabei so schlau wie ihre ländlichen Verwandten, aber sie brauchen ihre Schläue nur, um Menschen oder deren Hunde und Katzen zu meiden, um weggeworfene Kebabs aus dem Mülleimer zu schnappen, oder für den Notfall. Einem Kebab muss er nicht auflauern wie einem Nagetier oder einer Maus im Winter, es braucht auch keinen ausgeprägten Geruchsinn – einen Abfalleimer finden reicht.

Aber es wird Zeit, weiter zu gehen…

Der furchterregende Marder, der pelzige Vandale der Stadt, sieht eher wie ein übergewichtiges Hermelin aus. Würde ich zu einem tierischen Dinner einladen, der Marder wäre nicht auf der Gästeliste – ihm fehlt der Charme des Fuchses oder die Ausgelassenheit des Otters (auch wenn der in der Region lange nicht mehr zu sehen war). Die Eule am Kopf des Tisches? Ihre elegante Haltung und seine Weisheit sind bei Tischgesprächen sehr willkommen. Eulen sind in Basel auch nicht selten – ein Nachtjäger, aber auch am Tag zu sehen, wie kürzlich im botanischen Garten der Universität. Für eine Zwergfledermaus wäre ein Abendessen nichts. Ihre geringe Grösse erlaubt, an sicheren Flecken zu hängen, sogar in alten Bauten roter Eichhörnchen, die mehr in Basler Parks als auf dem Land zu sehen sind.

Eine kleine Warnung an Leser mit Reptilienphobie: Basel hat auch Amphibien und Reptilien – nicht nur im Zoo, sondern auch in der Stadt und drum herum.

Und was ich als letztes kürzlich sah – ein enormer Storch im Schützenmattpark am frühen Abend. Keine Spur von Scheu, sondern konzentriert auf der Suche nach Fröschen im hohen Gras.

(Foto: Will Atkins)

Eine Antwort auf “Der Ruf der Wildnis inmitten der Stadt”

  1. GJW sagte:

    Der Storch im Schützenmarkt-Park ist nicht selten, sondern fast jeden Tag dort. Es gefällt ihm unter Leuten und er fliegt dort sogar zusammen mit Tauben-Schwärmen. Aber meist stakst er auf der Wiese herum und weicht höchstens einem Jogger aus.
    Faszinierend, wenn er sich nicht über der Wiese hochschraubt, sondern durch das Geäst der Bäume startet – immer haarscharf am Absturz vorbei.
    Sein Nest hat er im Zoo und auch dort landet er oft auf asphaltierten Wegen nahe bei Besuchern.

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