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Die kleinen Unterschiede: 2. Daumen kreuzen, Finger drücken

Sowohl Expats als auch Einheimische wünschen sich Glück – aber sie drücken dies auf ihre ganz eigene Weise aus.

Von Martin Pütter

Der französische Künstler, Schriftsteller und Regisseur Jean Cocteau sagte mal über Glück: «Wir müssen an Glück glauben. Wie erklären wir sonst den Erfolg jener, die wir nicht mögen?» Das mag zynisch tönen, aber es bestehen keine Zweifel, dass wir uns Glück wünschen, und das oft. Jemand steht kurz vor wichtigen Prüfungen? «Ich wünsch Dir Glück», würden sowohl Expats als auch Basler sagen.

Dieses Glück wünschen kann aber auch unterschiedlich ausgedrückt werden, und dann – abhängig davon, ob die Muttersprache Deutsch oder Englisch ist – sind unterschiedliche Glieder der Hand im Spiel. Wer seinen Freunden aus englischsprachigen Ländern erklärt, dass er ein Vorstellungsgespräch für seinen Traumjob habe, bekommt von ihnen zu hören, dass sie «die Finger kreuzen» (I’ll keep my fingers crossed). Das gilt auch in Frankreich oder Italien. Wer hingegen in den Niederlanden, Norwegen, Deutschland oder auch der deutschen Schweiz seinen einheimischen Freunden von diesem Vorstellungsgespräch erzählt, dem werden die Daumen gedrückt.

Kleidung der Gedanken

Der englische Schriftsteller Samuel Johnson sagte mal: «Sprache ist die Kleidung der Gedanken.» In diesem Fall (sehr) vereinfacht ausgedrückt heisst das: Wer die Finger kreuzt, zeigt christlichen Glauben, wer die Daumen drückt, ist ein Heide.

Diverse Online-Quellen stimmen überein, dass Finger kreuzen ursprünglich eine Bitte für Gottes Schutz war, um Übel anzuwenden und auch Glück zu wünschen. Die frühen Christen sollen auch das Zeichen der gekreuzten Finger zur gegenseitigen Erkennung verwendet haben. Und im späten Mittelalter sollen Engländer die Finger gekreuzt haben, wenn jemand hustete oder nieste – um Übel abzuwenden, da Husten oder Niesen als frühe Symptome der Pest galten. Aber manchmal werden Finger bei einem Versprechen oder Schwur gekreuzt – jedoch nur, wenn man das Versprechen nicht halten will oder lügt. In diesem Fall sollen die gekreuzten Finger (d.h., das Kruzifix) davor bewahren, dass man in die Hölle gelangt.

Künstlerische Freiheit

Beim Daumen drücken gehen die Interpretationen auseinander. Einige behaupten, für die Germanen hätte der Daumen Wichtel und Dämonen symbolisiert, und die Finger eng um den Daumen herum hätten diese zurück gehalten. Laut anderen Quellen geht Daumen drücken auf die Römer zurück, für die der Daumen für das tödliche Schwert stand. Finger um den Daumen stand somit für das Schwert in der Scheide – denn damit bat das Publikum um Gnade für einen Gladiator. Daumen hoch hingegen hiess, der Gladiator solle sterben. Was mal wieder beweist, dass die Filmemacher in Hollywood in Filmen, die im alten Rom spielen, um es gelinde auszudrücken, künstlerische Freiheit anwenden.

Wir lange alle Holz an

Expats und Basler brauchen also unterschiedliche Glieder der Hand, um Glück zu wünschen. Bei Jagen und Fischen bestehen ebenfalls Unterschiede. Im englisch-sprachigen Raum heisst es schlicht «gute Jagd» (good hunting) oder «guten Sport» (good sport), bevor es losgeht, und Fischer wünschen «gespannte Schnüre» (tight lines). Fischer in Österreich, Deutschland oder der Schweiz dagegen bitten zuvor um den Segen ihres Schutzpatrons Petrus («Petri Heil»), und Jäger wünschen sich gegenseitig «Waidmannsheil».

Beim Wunsch, Pech abzuwenden oder weiterhin davon verschont zu bleiben, berühren sowohl Einheimische als auch Zugereiste – bildlich und übertragen – das gleiche Material: Holz. Ob nur anlangen oder klopfen ist dabei irrelevant. Beim Ursprung gehen die Meinungen aber auseinander. Es komme von Matrosen, welche die Masten ihrer Schiffe berührt hätten (um den Zustand des Schiffs zu prüfen), oder von Bergarbeitern, welche das Holz in den Tunneln berührten (ebenfalls zum Prüfen des Zustands). Und der christliche Hintergrund: Die ersten Kirchen hatten – angeblich – alle Überreste des Kreuzes, an dem Jesus gestorben war, und dies zu berühren würde Glück bringen. Wir halten es einfach: Das Basel Journal wünscht allen Lesern einfach Glück!

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