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Die kleinen Unterschiede: 8. Die Küsschen-Frage

Von Martin Pütter

Bei der Begrüssung zwischen Männern und Frauen ist sowohl für Einheimische als auch für Expats in Basel nur eines sicher: Eine Norm scheint nicht zu bestehen.

Die US- Komikerin und Schauspielerin Janeane Garofalo bringt es auf den Punkt: «Für mich hat keiner mehr Mut als der, der zuerst küsst.» Und Mut ist erforderlich, wenn es um Begrüssungs- und Abschiedsküsse zwischen Angehörigen unterschiedlicher Kulturen geht. Allerdings: «Küsschen» ist vielleicht eine etwas falsche Bezeichnung, denn meistens werden ja nur die Wangen aneinander gepresst, und die Lippen küssen ins Leere. Zahlreiche Expats in der Region Basel haben mit diesen Küsschen dennoch ein bisschen Mühe, mehr noch als mit dem Händeschütteln, das ja das erste Thema der Betrachtungen in The Basel Journal über die kleinen Unterschiede zu den Einheimischen war.

«Ich musste mich zuerst dran gewöhnen, dass sich Freunde und gute Bekannte hier mit Küsschen begrüssen und verabschieden», erklärt Zoë Jeffery. Daheim in England war sie das nicht gewohnt gewesen. Was sie zusätzlich noch verwirrte: «Wie viele sind es? Eins? Zwei? Drei?» Nun haben ja besonders Briten und US-Amerikaner anscheinend Mühe mit Körperkontakten. Dies bestätigt zumindest für sich Hazel Salvage: «Ich hab’s nicht so mit diesen Körperkontakten», erklärt die junge Engländerin, die in Basel für die Schweizer Niederlassung eines globalen Logistik-Unternehmens arbeitet.

Diese Abneigung gegen Körperkontakt erstaunt ein wenig, denn immerhin haben sie ja die Kontaktsportarten Rugby (England) und American Football (USA) erfunden. Aber selbst ein Schweizer Lehrmittelverlag schreibt: «Engländer werden ungern berührt. Auch Kolleginnen und Kollegen geben sich nicht täglich die Hand. (…) Auch in den USA wahrt man grössere körperliche Distanz als in Europa. Eine Begrüssung mit Handschlag ist dort eher unüblich.» Kein Wunder also, sind Expats verwirrt, wenn sie von ihren Schweizer, deutschen oder französischen Freunden geküsst werden.

Und selbst Expats, die damit keine Probleme haben, können verunsichert werden. Zum Beispiel: Wie viele Küsschen haucht ein Mann der Frau auf die Wange, oder erhält er von ihr? Mit welcher Wange fängt man an? Warum ist’s plötzlich nur noch einer, wenn’s vorher drei waren? Die Antwort auf die erste Frage lautet: Im Allgemeinen entscheidet die Frau, ob sie diese Form des Körperkontakts möchte. Da die meisten Rechtshänder sind, scheint es logisch, mit der rechten Wange zu beginnen – aber das ist nicht felsenfest. Und «hier in Basel sind es drei Küsschen», sagt Gaby Müller, die sowohl als Schauspielerin als auch in der Gastronomie tätig ist. «Aber es waren lange nur zwei, das sieht man bei älteren Menschen. Meine Grossmutter grüsste ich nur mit zwei Küsschen», fügt sie hinzu.

«Daheim in Grossbritannien ist es ein Kuss unter Mädchen, und mit meinen Freunden», sagt Jenny Maxwell, die in Basel als Lehrerin arbeitet. Sie musste sich wie Zoë an drei Küsschen in Basel gewöhnen. Aber Jenny Maxwell und Gaby Müller sind sich einig, dass die Zahl sinken kann: «Bei engen Freunden nur eines, und vielleicht noch eine Umarmung dazu», sagen beide.

Was ohne Richtlinien schien, ist also doch festgesetzt – aber nicht felsenfest. The Basel Journal schlägt vor: Lassen Sie die Frau oder die ältere Person entscheiden, ob’s Küsschen gibt. Und folgen Sie einer festen Regel für die Schweiz: Im Geschäftsleben nur die Hand schütteln!

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