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Ein bisschen mehr als „Sprechen Sie Englisch“

2014 beauftragten die Stimmbürger des Kantons Basel-Stadt ihre Regierung via Referendum, Neuankömmlingen aus dem Ausland nach ihrer Ankunft zu helfen, sich einzuleben. Mir als Expat gefiel dies, aber nicht alle (Einheimische und Expats) unterstützen dies.

Von Ella Revitt

In der Weltrangliste der Länder, in denen Menschen leben, die im Ausland zur Welt kamen, liegt die Schweiz mit 25% an sechster Stelle – in Basel sind es gar 35%. Die Mehrheit dieser Ausländer umfasst Flüchtlinge und Asylsuchende, Arbeiter (einst „Gastarbeiter“) sowie hochqualifizierte, gutverdienende „Expats.“ Letztere fanden es zuletzt schwer, Anschluss zu finden – ihre zahlenmässige Zunahme in der Pharma-Industrie führte zu Unmut und vereinzelt Feindschaft unter den Einheimischen.

Die Meinungen sind geteilt: Manche Einheimische begrüssen Fremde, andere sind vorsichtig, und ein paar wenige feindlich zu ihnen eingestellt. Das gilt aber auch umgekehrt. Einzelne Neuankömmlinge versuchen enthusiastisch, mit der Schweizer Kultur vertraut zu werden, andere hingegen sind arrogant, rüde, oder sind ahnungslos. Applaus gehört den Expats, die sich an ein englisches Sprichwort halten: „Bist du in Rom, mach’s wie die Römer.“ Bei anderen aber gilt: „Man kann den Mensch aus dem Land nehmen, aber das Land nicht aus ihm.“

2014 erteilte das Basler Stimmvolk der  Regierung den Auftrag, Expats zu unterstützen. Andreas Räss, Leiter der Fachstelle Diversität und Integration bei der „Kantons- und Stadtentwicklung Basel-Stadt“ meinte dazu, dass zwar der Kanton Hilfe bietet zur Überwindung von Hürden, aber für eine erfolgreiche Assimilierung müssen sowohl Einheimische als auch Zugezogene beitragen. Grösstes Problem ist die Sprache: „Für eine Verbundenheit ist Deutsch enorm wichtig“, so Räss. Darum bietet Basel nun Willkommensanlässe an sowie Deutschunterricht.

In der Geschäftswelt ist Englisch zunehmend die Hauptsprache, daher haben Geschäftsleute, die nach Basel ziehen, keinen Bedarf, Deutsch zu lernen. So bleiben Familien, die aus dem Ausland hierher ziehen, leicht in einer „internationalen Blase“ stecken. Viele sind sich dessen nicht bewusst, bis sie die Grenzen dieses Blase überschreiten.

Noch vor ein paar Jahren erging es mir nicht anders: Erst als ich in die örtliche Gemeinschaft „eintauchte“, fühlte ich mich in dieser Stadt daheim. Sprachkenntnisse – noch nicht perfekt – und Selbstvertrauen haben enorm zugenommen, und ich habe wundervolle Menschen als Freunde fürs Leben gewonnen. Dazu haben sich zuvor fern geglaubte Möglichkeiten eröffnet. Obwohl es schwer scheint: Es braucht nur einen ersten Schritt. Es zu versuchen ist alles, was es braucht: Sich Mühe geben wird höher eingestuft als Können.

Räss betont, dass es für den Einzelnen wichtig sei, „offen zu sein, ohne Vorurteile.“ Sich innerhalb von Gruppierungen abzutrennen sei zu vermeiden, die Diversität der Nachbarn zu akzeptieren „Die aktive Teilnahme an Gesellschaft und Kultur erleichtert die Integration; es hilft, neue Leute kennenzulernen“, erklärt Räss und unterstreicht damit die Vorteile für Fremde, Kontakt mit Einheimischen aufzunehmen.

Der Satz „wir bekommen zurück, was wir reingesteckt haben“ verkörpert diesen Prozess. Viele Erfahrungen sind möglich, dazu neue Freunde und Fähigkeiten, wenn Zugezogene sich den Einheimischen öffnen – sei das im Sportclub, im Sprachunterricht oder in einer Beiz. Auf diese Weise erfolgt die Assimilierung natürlich, und so bleibt Basel nicht diese gewaltige fremde Stadt, sondern wird zur neuen Heimat.

Für Informationen über die Wichtigkeit von Assimilierung hält die Fachstelle Diversität und Integration am 23. Februar im Basler Rathaus um 19.00 einen Empfang auf Englisch ab. Wer teilnehmen möchte: Anmeldung über integration@bs.ch.

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