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Fasnachts-Nostalgie aus New York

1981 haben sie zum ersten Mal an der Basler Fasnacht mitgemacht: die Trommel- und Pfeiferclique «Nej Yorgg Bebbi». 22 Jahre lang pilgerten die Expat-Schweizer für die Fasnacht in ihre Heimatstadt. 2005 zum letzten Mal. Die «Nej Yorgg Bebbi» Clique existiert nicht mehr. Ihre ehemaligen Mitglieder sind aber immer noch an der Fasnacht anzutreffen. Auch dieses Jahr.

Von Stéphanie Erni, Englisch von Nigel Hulbert und Martin Pütter

Bebbi3 Begonnen hat alles 1979, mit einem Basler namens Peter Oberhänsli im Schweizer Konsulat in New York. Er stellte sich vor, dass die vielen Expat-Basler, die in dieser Zeit in und um «Big Apple» herum lebten, vielleicht Lust hätten, einander zu treffen. Er gab in der «Swiss American Review» ein Inserat auf. Und er reservierte im «Swiss Bear Restaurant» an der 20 East 41st Street für 15 Leute. Es kamen 40. Einige Mitglieder des «Bebbi Club New York» gründeten danach die «Nej Yorgg Bebbi», mit einem Ziel: an der Fasnacht in Basel mitzumachen. Trommeln und Pfeifen wurde im Vereinslokal geübt – dem eigens renovierten Keller des «Swiss Valley Restaurant» an der Chamber Street.Bebbi4

Den ersten Morgenstreich feierte die neu gegründete Expat-Clique aber nicht nur  in Basel, sondern auch in New York City. Denn nicht alle hatten kurzfristig die Möglichkeit, in die Schweiz zu reisen. Und wegen der Zeitverschiebung ging es für die «Nej Yorgger» bereits um 22 Uhr los – dann schlug in Basel das Martinsglöcklein vier Mal. «Nach dem Gässle und zum Auftauen der gefrorenen Finger gab es natürlich dann eine herrliche Mehlsuppe mit Ziibele- und Käswäje und Schnitzelbangg – schöner hätte man sich Fasnacht in New York nicht vorstellen können», schrieben die Heimweh-Bebbi später auf ihrer Homepage.

Die Premiere in Basel für die ganze Clique war dann im Jahr darauf. «Für die Fasnacht 1981 haben wir alle Accessoires wie Kostüme, Larven und Laterne in New York hergestellt und mit nach Basel genommen», erzählt Peter Bürgin, der in diesen Anfangsjahren in New York dabei war. «Ich war für die Swissair 34 Jahre im Ausland, in verschiedenen Ländern und jeweils nur für drei bis fünf Jahre», erzählt der Basler. «Ich habe mich nie gross für die Schweizer Cubs interessiert, im Ausland wollte ich etwas Neues kennenlernen.» An einer Fasnacht in Basel habe er jedoch New Yorker getroffen, die ihm vom Bebbi Club erzählten. Bürgin: «Da sind meine Frau und ich halt mal hingegangen.»

In New York lebten die Bürgins nur für zwei Jahre, den «Nej Yorgg Bebbi» blieben sie aber treu. «Wir hatten einige Mitglieder, die aus der ganzen Welt zur Fasnacht nach Basel kamen, um bei uns einzustehen.» Deshalb wurde in der Rheinstadt auch ein «New York Bebbi Club» gegründet, um von hier alles koordinieren zu können. Alle zwei Jahre nahm die Clique dann am Cortège teil, mit Zugskostüm. Dazwischen gab es einfach Charivari-Fasnacht.

BEbbi2Die New Yorker an der Basler Fasnacht waren ein Novum und erhielten damals viel Medienpräsenz. Aber auch der Keller in New York wurde gerne von USA-Reisenden besucht. Egal ob Heinz Spoerrli, damals noch beim Basler Ballett, oder die Basler Regierung: Eine Reise nach New York bedeutete auch einen Abstecher in den Bebbi-Cliquenkeller. Und auch in den USA traten die Bebbi auf – an der Trommel- und Pfeiferparade «Ancient Muster» in Deep River, Connecticut.

Tempi passati. Die «Nej Yorgg Bebbi» existieren nicht mehr. Und auch der Bebbi-Club in New York ist verwaist. Bürgin: «Die meisten sind weggezogen und Neuzugänge hatten wir keine mehr.» Das bedeutet aber nicht das völlige Ende des Bebbi-Club. «Es gehören noch 52 Leute zum Club», so Peter Bürgin. Und ein gemeinsamer Anlass findet noch statt, der Hogg am ersten Donnerstag im Monat im Restaurant Kornhaus. Was in New York begann, nimmt in Basel ein Ende. Der Grund ist ganz einfach: Viele der früheren Expat-Schweizer sind in der Zwischenzeit pensioniert oder aus anderen Gründen wieder in ihrer Heimat. «Und die meisten sind wieder in ihre alten Cliquen zurückgekehrt». Peter Bürgin und seine Frau Margreth stehen jetzt bei der Tambouren- und Pfeifergruppe «Die Unfertige» ein. Bürgin: «Andere sind bei der Alti Richtig, den Gipfelstürmer, Vertschubblete oder anderen.»

Am monatlichen Hogg treffen sich neben den ehemaligen New Yorkern auch mal Gäste aus den USA «oder einfach Interessierte». Es ginge dabei längst nicht mehr um Nostalgie, sagt Bürgin. Aber geblieben sei trotzdem «ein einmaliges Zusammengehörigkeitsgefühl durch diese gemeinsame Zeit in New York».

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