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Heute Abend: Musikbuffet im August

Von Mary Al-Akhdar, Deutsch von Martin Pütter

Es ist ein Teil Basels, dass an einem Freitagabend im August die Stadt mit Jazzklängen erfüllt ist – der Anlass nennt sich „Em Bebby sy Jazz.“ Es ist vermutlich das weltgrösste Jazzfestival, das an einem Abend stattfindet, mit über 70 Bands, die New Orleans Jazz, Dixie, Free Jazz und auch Big-Band-Musik spielen. Die Musiker kommen von weit her, um die Stadt von Bühnen her und an Kreuzungen zum Leben zu bringen, bewundert von über 70‘000 Zuschauern. Dieses Jahr findet das Spektakel am 22. August statt.

Es herrscht eine spezielle Atmosphäre an diesem jährlichen Basler Jazz-Festival. Menschen kommen zusammen, um Bier oder Wein zu trinken, sie essen Bretzeln, Würste, Wähen oder Eiscrème, tanzen zu Swing, wippen zu akustischem Jazz und wandeln in den Gassen der mittelalterlichen Stadt durch das Labyrinth der vielen Jazzbands.

Die Bühnenbeleuchtung der diversen Bands wirft lange Schatten und Lichtstrahlen durch die alten Gassen, wo Menschen von einer Band zur anderen wandeln. Und die Gassen sind faszinierend. In vergangenen Jahrhunderten hingen vielleicht Menschen hier ihre Wäsche zwischen den Gebäuden auf, während sie die letzten Neuigkeiten austauschten: Ein Nachbar heiratet, eine Tochter erwartet ein Kund, ein Gatte schaut zu tief ins Glas.

In den Gassen ragen die Wände der Häuser hoch, und viereckige, geschlossene Fenster schaffen eine Schachbrett-ähnliche Form auf den verputzten Wänden. Durch kleine Bögen oder kantige Türen liefen schon vor 700 Jahren Menschen durch. Die Gassen kehren und winden sich, während es hoch oder runter geht zu den Strassen der Stadt. Manche laufen hier ehrfürchtig durch, spüren die Tausenden an Seelen, die hier in den Jahrhunderten vorbei liefen, als hätten diese einen noch schwach sichtbaren Abdruck hinterlassen. Vielleicht spüren andere dies auch, da Gespräche meistens nur flüsternd geführt werden.

Man kann dem Treiben der Musik folgen, zu einer anderen Strasse gelangen und eine andere Band finden. Kontrabass, Trompeten, Posaunen, Klarinetten, Saxophone, Tuba oder Sousaphon, auch ein Sänger – all spielen ihre Musik, es vermischt sich zu einem Festsound. Trompeten und Posaunen laufen durch die Menge, jeder kann mit einem Solo zeigen, was er drauf hat.

Es spielen auch akustische Gruppen: Bassgitarre, E-Klavier, weich gedämpfte Trommeln im Hintergrund und der samtige Sound von entspanntem Jazz. Restaurants, Bars oder Pubs haben Tische und Stühle vor das Lokal gestellt, die Kellner wandeln zwischen den sitzenden Gästen, bringen Wein oder Bier. Viele lächeln, ohne es zu merken, die Beine wippen, während man sich ein Schluck gönnt, Kinder schaukeln oder tanzen zum Rhythmus, halten mit Senf bedeckte Bratwürste in ihren kleinen Fingern, und Grosseltern klatschen leicht mit ihren Händen, während sie strahlend zu den Kindern schauen.

So verläuft ein Jazzabend in der schwülen Sommerhitze des Augusts in Basel – Musik und Rahmen vermischt formen Übersinnliches.

www.embebbisyjazz.ch

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