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Quo vadis, Brexpats?

Die Wähler des Vereinigten Königreichs von Grossbritannien und Nordirland haben in einem Referendum mit knapp 52 Prozent für den Austritt aus der Europäischen Union gestimmt. Die Folgen für die „Brexpats“ in der Region Basel werden sich wohl erst in ein paar Jahren zeigen.

Von Martin Pütter

Eine Mehrheit der Briten scheint der EU den Stinkefinger gezeigt zu haben. Hingegen waren  die „Brexpats“ (erstaunlich, wie schnell nach so einem Ereignis ein neuer Begriff auftaucht) in der Region nach dem Ausgang des Referendums in ihrer Heimat über den Verbleib in der EU entweder schockiert oder beschämt. Ein in Basel lebender Brite bewies aber Humor. „In Anbetracht jüngster Ereignisse“ bot sich Alex Craker auf den sozialen Medien als Ehemann an für eine Schweizer Frau. Er pries augenzwinkernd und amüsant seine Vorzüge an, gab auch zu, dass er bereits eine „stubenreine“ Tochter habe. Einzige gewünschte Gegenleistung: eine Heiratsurkunde und Unterstützung beim Antrag auf einen Schweizer Pass. Und auf Twitter schrieb der schottische Komiker Frankie Boyle: „Es ist wichtig, dieses Resultat nun einfach zu akzeptieren und weiterzumachen – möglichst den Umzug in ein anderes Land.“

EU_UK_stinkefinger

Einige Briten sind nun schon in anderen Ländern, und das seit mehr oder wenigen vielen Jahren. Laut Ausländerstatistik des Bundes leben allein in den Kantonen Basel-Stadt und Baselland rund 4‘200 Briten. Dazu kommen noch die britischen Bürger, die in den Kantonen Aargau (Fricktal) und Solothurn (Dorneck-Thierstein) leben sowie im benachbarten Ausland, aber in der Region Basel arbeiten. Was sie mit ihren Landsleuten daheim gemeinsam haben: Sie wissen nicht, was auf sie zukommt. Wie The Basel Journal schon Anfang Februar dieses Jahres berichtete, sind die Konsequenzen bei einem Brexit völlig offen.

Sicher scheint nur eines: Es wird bei einer britischen EU-Mitgliedschaft bleiben, bis London offiziell das Austrittsgesuch eingereicht hat, gemäss Artikel 50, Absatz 2 der EU-Verträge: “Ein Mitgliedstaat, der auszutreten beschließt, teilt dem Europäischen Rat seine Absicht mit. Auf der Grundlage der Leitlinien des Europäischen Rates handelt die Union mit diesem Staat ein Abkommen über die Einzelheiten des Austritts aus und schließt das Abkommen, wobei der Rahmen für die künftigen Beziehungen dieses Staates zur Union berücksichtigt wird.

Es ist zu vermuten, dass der britische Premierminister David Cameron das offizielle Einreichen des Austrittsgesuchs seinem Nachfolger überlässt. Was danach kommt: Verhandlungen über den Marktzutritt sowie über wirtschaftliche und politische Beziehungen zur EU. Das kann Jahre dauern – und wenn die „Scheidung“ in einen Rosenkrieg ausartet (und einen Rosenkrieg, wegen ihres Throns, kennen die Briten ja aus ihrem Geschichtsunterricht), kann es vielleicht sogar Jahrzehnte dauern.

Doch Konsequenzen können schon vorher möglich sein. Das hat die Schweiz erfahren müssen, die ja mit der EU bilaterale Abkommen abgeschlossen hat. Ein Beispiel: Als eine Mehrheit der Schweizer vor zwei Jahren der Masseneinwanderungsinitiative zustimmte, kickte die EU die Schweizer Universitäten umgehend aus europäischen Austauschs- und Forschungsprogrammen aus. Das kann nun auch dem Vereinigten Königreich blühen.

Sicher ist: Es herrscht Unsicherheit darüber, wie es weitergeht. Das mag die Wirtschaft nicht und zeigte es mit Markteinbrüchen, als das Resultat des Referendums bekannt wurde. Was den Brexpats hier helfen würde: Wenn die Schweizer Regierung eine Beratungsstelle für sie einrichtet. Für Schweizer daheim und im Ausland hat sie eine solche Beratungsstelle ja bereits eingeführt – und dann wird die Regierung sicher auch schon wissen, was auf die Brexpats hier zukommen könnte.

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