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„Sklaverei – eine Beleidigung der Menschheit“

Dass Frankreich 1848 die Sklaverei abschaffte, ist zu einem grossen Teil Victor Schoelcher zu verdanken. Die Elsässer Gemeinde Fessenheim hat nun ihm zu Ehren ein Museum neu eröffnet.

Fessenheim – das ist Atomkraft. Doch die elsässische Gemeinde (knapp über 2‘200 Einwohner) will auch auf andere Weise bekannt sein. Darum hat sie nun das Museum Victor Schoelcher, son œuvre (Victor Schoelcher, sein Lebenswerk) und die gleichnamige, sehr beliebte Mediathek zusammengelegt. Die Eröffnung dieses neuen Museums erfolgt am 6. Juni.

Streng genommen ist Victor Schoelcher (geboren 1804 in Paris) „nur“ ein Sohn eines Fessenheimers. Sein Vater Marc Schoelcher (*1766) – ursprünglich Marc Schelcher – war noch vor der Revolution in die französische Hauptstadt gezogen. Weil dort viele seinen Namen falsch aussprachen, hatte er schliesslich ein „o“ hinzugefügt.

1828 kam Victor Schoelcher erstmals mit Sklaverei in Kontakt. Um den Markt für Porzellan der väterlichen Manufaktur zu testen, reiste er in die USA, nach Mexiko und Kuba. Als Unterstaatssekretär der Marine und der Kolonien kämpfte er gegen die Sklaverei – mit Erfolg: Sie wurde in Frankreich mit dem Dekret vom 27. April 1848 endgültig abgeschafft.

Victor Schoelcher, später Abgeordneter von Martinique und Repräsentant von Guadeloupe in der gesetzgebenden Versammlung, war überhaupt sein ganzes politisches Leben lang stark am Kampf für die Menschenrechte beteiligt. Er setzte sich für die Errichtung der republikanischen Staatsform in Frankreich ein, für die Anwendung des allgemeinen Wahlrechts, für die Abschaffung der Todesstrafe, für die Anerkennung der Bürgerrechte der Frauen sowie für die Einrichtung von Kinderrechten.

 

„Wir dürfen nicht aufhören, es uns selbst und unseren Kindern zu sagen, dass, solange es noch einen Sklaven auf dieser Erde gibt, die Unterwerfung dieses Mannes eine ständige Beleidigung der gesamten Menschheit ist.“ (Victor Schoelcher, 1848.)

 

Fessenheim als Heimatort der Familie Schoelcher sah es als Pflicht an, ein dem grossen Humanisten gewidmetes Museum zu begründen. In einem Rundgang mit über 150 Abbildungen, Originalwerken, zeitgenössischen Gegenständen und Porzellan – mit den Informationen dazu auf Deutsch, Französisch und Englisch – entdeckt der Besucher die Geschichte Victor Schoelchers. Touchpads, audiovisuelle Animationen sowie eine interaktive Bibliothek veranschaulichen ebenfalls den in sechs Abschnitten unterteilten Rundgang:

  • Die Reisen Victor Schoelchers
  • Die Manufaktur Schoelcher
  • Victor Schoelcher: ein Leben, ein Jahrhundert
  • Ein engagierter Mann
  • Der Kampf gegen die Sklaverei
  • Seine anderen Kämpfe

Das neue Museum „Victor Schoelcher, sein Lebenswerk“ in Fessenheim ist eines von fünf Sehenswürdigkeiten in Ostfrankreich auf der 2004 gegründeten „Strasse der Menschenrechte und der Abschaffung der Sklaverei“. Diese Strasse ist Teil des internationalen, von der UNO unterstützten Grossprojekts „Strasse der Sklaverei“.

 

(Text: Musée Victor Schoelcher & TBJ, Bild: Musée Victor Schoelcher)

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