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Verschwindende Strukturen

Der neue Roche-Turm und die Abstimmung um die Wettsteinbrücke 1990 sind Beispiele, dass Strukturen in Basel immer schon für Diskussionen sorgten. Nun hält die Galerie Katapult eine Ausstellung über Strukturen – die alles andere als permanent erscheinen.

Von Avner Pinchover

Der Name der Ausstellung, „Estructuras“ (Strukturen), mag verwirrend sein. Die Werke von kolumbianischer Künstler scheinen sich auf den ersten Blick nicht an das Thema zu halten. Alejandro Tobón, Camilo Álvarez, Hernán Marín, José F. Muñoz und Meloquez, die zu Beginn dieses Jahres ihre Reise in die Schweiz mit einer Auktion ihrer Werke finanzierten, scheinen sich eher mit Motiven wie Verschwinden, Absenz und Leere zu befassen.

Alejandro Tobóns hat seine Skulpturen am Eingang aus Teilen zerlegter Möbel geformt. Obwohl die früheren Eigentümer nicht direkt da sind, scheinen sie in der Galerie „anwesende Abwesende“ zu sein (den Begriff „anwesende Abwesende“ schuf die Regierung Israels, um Palästinenser zu bezeichnen, die während des arabischen-israelischen Krieges 1948 vertrieben wurden, aber innerhalb der Grenzen des neu gegründeten israelischen Staates blieben. Der international bekannte Autor und Friedensaktivist David Grossman veröffentlichte ein Buch gleichen Namens).

Hernán Maríns Bleistiftzeichnungen zeigen menschliche Figuren, wie sie entweder im Nebel verschwinden oder sich in Luft auflösen. Und vor allem ihre Umgebung und Gegenstände in ihre Blickfeld sind noch extremer dran: Sie existieren im Rahmen der Bilder nicht, sondern einzig und allein in der Vorstellung.

Es ist sowohl die Technik für diese Werke als auch ihr Inhalt, die Vergänglichkeit hervor rufen: Sie sind auf nicht-absorbierenden Oberflächen wie Stahl, Glas oder lackierte Leinwände. Nur wenige Mikrometer dick, im Gegensatz zu Zeichnungen auf Papier, scheinen sie ablösbar und so im Wesen vergänglich.

Einige der Gemälde von José F. Muñoz greifen das oben erwähnte Thema sogar in ihren Titel auf. Im Bild „Verdampft“ (2007) schichtet er vorsichtig Lagen von Acrylfarbe, Wachs, Leim und Graphit. Seine Bilder beginnen schon im Moment des Schaffens zu verschwinden.

Munoz‘ Figuren zeigen kaum irgendwelche Gesichtsausdrücke und befinden sich in malerischer Leere und räumlichem Nichts. An einer anderen Wand hängen Gemälde von Stadtquartieren aus der Vogelperspektive. Ihre Ränder lösen sich im unendlichen Raum auf, ihre Herzen sind leer an menschlicher Aktivität.

Strukturen erscheinen in der Ausstellung, aber sie lösen sich auf, stürzen zusammen, sind umgeben von Leere oder beinhalten diese. Die Leere wird uns vorgestellt durch das Mittel der Struktur und umgekehrt.

Über den Autor: Avner Pinchover ist ein Israelisch-Schweizerischer Architekt und Künstler. Gegenwärtig ist er Redaktor des israelischen Kunst&Design-Magazins “Untitled”.  (Übersetzung ins Deutsche durch Martin Pütter)
Bild: Hernán Marín, aus der Serie “Crowd” , 120x150cm, mit Dank an Katapult Galerie. © Alle Rechte beim Künstler.

 

Estructuras
8. Oktober – 21. November 2014
Galerie Katapult
St. Johanns­-Vorstadt 35
4056 Basel
061 321 88 55

Di – Fr 14.00h  – 18.30h
Sa 11.00h – 16.00h

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