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Welch ein Willkommen

Expats seien schuld daran, dass in Basel die Anzahl Autos gestiegen sei, urteilen Basels Stadtentwickler. Die Verwaltung hat von der Bevölkerung den Auftrag erhalten, den Strassenverkehr zu reduzieren. Nun scheinen die Verantwortlichen Sündenböcke zu suchen.

Kommentar von Martin Pütter

Manchmal scheint es von Vorteil zu sein, dass Neuankömmlinge mit englischer Muttersprache erhebliche Mühe haben, die deutsche Sprache zu lernen oder zu verstehen. Somit bleibt ihnen der Willkommensgruss erspart, den die Stadt Basel diese Woche herausliess und der von der Basler Zeitung eifrig aufgenommen wurde.

Unter den Schlagzeilen «Basler lieben Autos» (Titelseite) und «Mehr Autos auf Basels Strassen» (im Bund Stadt.Land.Region) hiess es jeweils, dass Einwanderer generell und besonders auch Expats verantwortlich dafür seien, dass die Zahl der Autos in der Stadt Basel gestiegen sei. Dabei solle diese doch zurückgehen, wie die Bevölkerung 2010 an der Urne entschieden hatte – bis 2020 soll der motorisierte Gesamtverkehr auf Basels Strassen um zehn Prozent reduziert sein.

Dass die Basler Zeitung (BaZ) dieses Argument – Einwanderer und Expats sind schuld an der gestiegenen Anzahl Autos – eingehend aufgreift, scheint aufgrund ihres politischen Kurses auf der Hand zu liegen. Aber warum schreiben Basels Stadtentwickler den Anstieg registrierter Fahrzeuge den Expats zu? Denn gegenüber der BaZ erklärte Thomas Kessler, Leiter der Kantons- und Stadtentwicklung: «Es kommen viele gut ausgebildete Migranten aus Autokulturen nach Basel, zum Beispiel aus Millionenmetropolen aus Deutschland und Amerika.» Und wenig später wird Kessler im gleichen Artikel folgendermassen zitiert: «Sie empfinden Basel als Paradies für Autofahrer (…).»

Ob Basel wirklich ein derartiges Paradies ist, sei dahingestellt – je nach Blickwinkel werden die Meinungen weit auseinander gehen. Aber gewisse Bevölkerungsgruppen für den Anstieg an Autos verantwortlich zu machen? Manche Expats wissen durchaus, wie zuverlässig der öffentliche Transport in der Region Basel ist – aber wissen es alle? Kessler gegenüber der BaZ: «Sie wissen nicht, wie gut der öffentliche Verkehr erschlossen ist» Das liesse auf mangelnde Information der Expats durch die Stadt schliessen.

Wie es die BaZ darstellt, sind aber nicht nur Expats schuld am Zuwachs an Autos. Für eingewanderte Südosteuropäer zweiter oder dritter Generation sei ein Auto ein Muss, ein Statussymbol. Und die wohlhabenden Familien auf dem Bruderholz seien auch verantwortlich, weil sie so viele Zweitwagen hätten. Das erweckt den Eindruck, als würden Sündenböcke für verfehlte Massnahmen zur Verkehrsreduktion gesucht. Man könnte das auch als «BSE» bezeichnen – was hier nichts mit Rinderwahnsinn zu tun hat, sondern eine englische Abkürzung ist für «blame somebody else» (gib anderen die Schuld)

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