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Kunst der gesprayten Art – ganz gross

Dass Graffiti in der Zwischenzeit «in» ist und auch von Galeristen und Kunstkennern als eigenständige Kunst angesehen wird, hat The Basel Journal im letzten Heft gezeigt. Die Spraykunst ist aber auch imposant, vor allem die des hiesigen Künstlers ECB. «Art» – ohne Eintrittspreis und schickes Outfit.

Von Stéphanie Erni

«Porträt eines Fischers» heisst das riesige, 70 Meter hohe Fassadenbild in der südkoreanischen Hafenstadt Busan. «Mural» heisst diese Form von Bild und dieses Mural hat der deutsche Künstler Hendrik Beikirch alias ECB angefertigt, in der letzten Augustwoche 2012. Es ist das derzeit grösste Wandgraffiti Asiens und machte Beikirch in der Szene zum Superstar.

1. Vom Dreiland...

Der Fischer auf dem Bild ist repräsentativ für einen grossen Teil der koreanischen Bevölkerung, die im Gegensatz zu ihren wohlhabenden Nachbarn nicht vom wirtschaftlichen Wachstum profitieren konnten. «Der dargestellte Mann ist einer der wenigen, die noch in ihrem Beruf arbeiten. Das harte Leben der Fischer, die an sechs oder sieben Tagen der Woche unter schwierigen Umständen nur wenig verdienen, ist nicht attraktiv für die meisten Jugendlichen. Es ist ein Beruf, der zumindest in der jetzigen Form langsam ausstirbt», schreibt Beikirch in der Medienmitteilung zum Projekt.

Das Gemälde vermittelt aber auch eine positive Nachricht. Unter dem Portrait fügte Beikirch einen Satz in koreanischen Buchstaben hinzu, der sich sinngemäss mit «Wo es keine Anstrengung gibt, gibt es keine Stärke» übersetzen lässt. Organisiert und unterstützt hat das beeindruckende Projekt «Public Delivery», eine Organisation für zeitgenössische Kunst, die vor allem in Asien und Europa arbeitet.

Der Künstler selbst ist bekannt für seine Porträts und Gesichter. Sie sind in ganz Europa, Kanada, den USA und Asien zu finden. Wer sich so ein Bildnis aus der Nähe ansehen will, braucht aber nicht so weit zu re

isen. Vor zwei Jahren malte ECB das Porträt eines Mannes auf den längsten Pfeiler der «Bridge Gallery» in Lörrach. «Callmeadreamer» steht unter dem Bild. Das 21 Meter hohe Gemälde kam im Rahmen eines Graffiti-Projekts an den Gymnasien mit dem Titel «Kunst und Vandalismus» zustande, das vom Rotary Club Lörrach unter der Leitung des damaligen Präsidenten Kai Hendrik Schlusche initiiert und finanziert wurde.

ECB verbrachte seine Schul- und Zivildienstzeit im Landkreis Lörrach und ist der Region von daher verbunden. Der Künstler ist in der Szene bekannt dafür, dass er stets auf der Suche nach Gesichtern ist. Als Vorlage für seine Graffiti dienen ihm Skizzen, die er oft heimlich von Fremden anfertigt. So war es auch beim  Fischer in Busan. «Ich habe im Hafen von Busan vorab mehrere Fischer skizziert» so der Künstler gegenüber The Basel Journal. «Anhand solcher ersten Skizzen fertige ich jeweils mehrere Studien auf Papier an und übertrage diese dann auf die finale Leinwand oder Wand.» Inhaltlich gehe es ihm um Gesichter, die Geschichten erzählen. Um ein Gegenüber aus der urbanen Masse. Beikirch: «Eigentlich auch um Zeichnungen im doppelten Sinne, denn irgendwie sind diese Gesichter selbst gezeichnet, zerfurcht und oft auch ermüdet. Letztlich haben gerade diese jedoch einen ihnen innewohnenden Stolz, eine Zuversicht.»

Aber nicht jede Fläche eignet sich für solch vorgängig skizzierte Porträts. Das Bild auf dem Brückenpfeiler in Lörrach malte ECB aus dem Kopf. Mit einem Format von 5 Meter Breite auf 21 Meter Höhe entspricht die Fläche des Brückenpfeilers nicht den Dimensionen eines Gesichts. In solch einem Fall versucht der Deutsche, auf die vorgegebene Fläche einzugehen. «Ich verzerre, lege oder neige das Gesicht. Dies funktioniert meines Erachtens nach mit einem frei erfundenen Bild besser.» Grund: Der Künstler möchte die Fläche immer möglichst ganz nutzen.

Am Graffiti in Lörrach hat ECB drei Tage gearbeitet, in Busan acht Tage. Dabei benutzt er nicht ausschliesslich Sprühdosen. «Zuerst setze ich mittels Sprühdose grobe Umrandungen des Gesichts auf der Wand und gebe damit eine erste Richtung vor. Danach modelliere ich Räumlichkeit durch Licht und Schatten, wobei ich mit der dunkelsten Farbe beginne. Dabei verwende ich für die feineren Farbübergänge Sprühdosen und für die grösseren Flächen Dispersionsfarben, die ich mittels Farbwalzen auftrage.» Bei Bildern dieser Grösse seien Fehler oder Unstimmigkeiten meist nur von der Distanz aus zu erkennen. «Daher drehe ich in regelmässigen Abständen den Korb des Hubsteiger soweit wie möglich von der Wand weg, um das Bild aus dem Abstand heraus betrachten zu können. Zuletzt füge ich mit der Sprühdose meine Schrift hinzu, meistens in Weiss.»

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