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Burgenromantik in der Region Basel (1): Wartenberg

Die Region Basel zählt zu Europas burgenreichster Landschaft. Weit über hundert Burgen entstanden hier zwischen dem 11. und 14. Jahrhundert. Ein Abstecher auf den Wartenberg ist besonders empfehlenswert. Gleich drei Burgen laden zum Entdecken und Verweilen ein.

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Die Türme des Hinteren und Mittleren Wartenbergs – und eine Mauer, die vom Vorderen Wartenberg übrig geblieben ist (v.l.n.r.)

Von Nicole J. Bettlé

Der Wartenberg in Muttenz war und ist seit jeher ein wichtiger Aussichtspunkt. Archäologische Funde belegen, dass er bereits in der späten Jungsteinzeit (ca. 2000 v. Chr.) genutzt wurde. Während der Bronzezeit (1800-800 v. Chr.) stand hier sogar eine befestigte Siedlung. Nicht nur Kelten und Römer errichteten ihr Lager auf dem Wartenberg (479m.ü.M.), sondern auch die einstige Grossmacht Burgund.

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Die Aussicht vom Turm des Hinteren Wartenbergs über Basel

Auf seinem Bergrücken, einem Ausläufer des Gempenplateaus, thronen auch heute noch die Ruinen von drei Burgen. Sie wurden zu unterschiedlichen Zeiten gebaut und besitzen keine eigenen Namen. Seit jeher heissen sie schlicht die vordere, mittlere oder die hintere Burg – oder den Vorderen, Mittleren oder Hinteren Wartenberg.

Vermutlich bereits im 10. Jahrhundert bauten die Burgunder auf dem nördlichsten Sporn eine Königsburg. Heute steht hier der Vordere Wartenberg. Er wurde im Frühmittelalter erbaut und stellt die grösste und wichtigste Anlage dar. Im Spätmittelalter übergab das Bistum Strassburg den Burgkomplex an die Homburger Linie der Grafen von Frohburg. 1301 gelangte sie gemeinsam mit dem Mittleren Wartenberg in den Besitz des Basler Bürgergeschlechts „zer Sunnen“. Später erhielten die Grafen von Habsburg-Laufenburg das Lehensrecht über die vordere Burg.

Als die Erbauer des Mittleren und Hinteren Wartenberg gelten die Herren von Homberg. Die Burganlagen erstanden im späten 12. Jahrhundert, der Hintere Wartenberg dagegen wohl eher erst im 13. Jahrhundert.

Die mittlere Burg wird erstmals urkundlich erwähnt, als sie gemeinsam mit dem vorderen Wartenberg in den Besitz der Familie „zer Sunnen“ gelangte. Danach erhielten deren Verwandten, die Familie Münch aus Münchenstein, das Lehensrecht über die Anlage. 1515 erkaufte sich die Stadt Basel die Rechte über den Vorderen und auch den Mittleren Wartenberg.

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Von unten betrachtet wirkt der Turm des Mittleren Wartenbergs erst recht beeindruckend.

Die hintere Burg wiederum findet erstmals 1306 Erwähnung, als die Grafen von Homberg auch diesen Burgkomplex an die Herren aus dem Hause Habsburg-Laufenburg verkauften. Später besassen unter anderem die Herren von Eptingen-Madeln, die Basler Familie Sevogel und einige andere das Lehensrecht. Seit 1856 gehört die ganze Anlage offiziell der Bürgergemeinde Muttenz.

Statussymbol Burg
Burgen stellten bedeutende Statussymbole dar. Nicht nur, weil man von ihnen aus Land und Leute überwachen und kontrollieren konnte, sie waren auch ein eindeutiges Herrschaftszeichen für eine adlig-ritterliche oder zumindest reich-bürgerliche Abstammung.

Die Burgkomplexe auf dem Wartenberg sind ebenfalls als Prestigeobjekte zu betrachten. Vor allem die mittlere und hintere Burg zeugen noch heute vom Präsentationsbemühen ihrer einstigen Besitzer. Den Hauptbau des Mittleren Wartenbergs stellt ein repräsentativer, rechteckiger Wohnturm dar. Hier befanden sich die Wohnung des Burgherrn sowie ein Saal, um geladene Gäste zu empfangen und Regierungsgeschäfte abzuwickeln.

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Der Eingang zum Turm des Mittleren Wartenbergs wird von einem hölzernen Löwen bewachtet – einmal drin, sind ein paar Treppen zu besteigen, um…

Der Hintere Wartenberg wiederum weist einen von weitem sichtbaren Rundturm sowie einen weiteren Saal für Gesellschafts- und Amtsempfänge auf. Dieser Teil der Burganlage umfasste jedoch zusätzlich einige Wohnbauten für Bedienstete. Vermutlich befanden sich hier auch Ställe, Scheunen, Werkstätten und vielleicht auch ein Wasch- oder Badehaus.

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…die Aussicht auf die südlichsten Ausläufer des Schwarzwalds geniessen zu können.

Krisenzeiten
Die drei Burgruinen auf dem Wartenberg liegen nur wenige Gehminuten voneinander entfernt. Wer sich auf einen Rundgang macht, dem wird die bewegende Zeit der Basler Geschichte vergegenwärtigt.

Der Vordere Wartenberg beispielsweise wurde während des Basler Erdbebens von 1356 stark beschädigt. Dieses Beben gilt heute als eines der schwersten Katastrophen Europas. Es nahm am 18. Oktober (Lukastag) um vier Uhr nachmittags seinen Anfang und zerstörte nicht nur fast die ganze Stadt Basel, sondern auch fast alle Kirchen sowie mindestens vierzig Burgen im Umkreis von 50km Entfernung.

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Wie der Vordere Wartenberg einst aussah – nach dem grossen Erdbeben von 1356 blieben nur ein paar Mauern stehen.

Die mittlere Burg wiederum wurde von den Basler Truppen während des Dreissigjährigen Kriegs (1618-1648) genutzt. Bei ihm handelt es sich um einen der bedeutendsten Kriege auf europäischem Boden, zerstörte er doch die jahrhundertwährende Macht des Deutschen Reiches. Aufgrund der langen Kriegsdauer und der Anwendung des politisch-militärischen Grundsatzes, dass „der Krieg den Krieg zu ernähren habe“ (Kriegsmaschinerie), gilt dieser erste grosse Krieg noch heute als einer der grössten Katastrophen der Geschichte und Vorläufer aller ihm folgenden Weltkriege.

Während des Zweiten Weltkriegs schliesslich diente die Burganlage den Schweizer Soldaten als Wachposten. Vor allem die vordere Burg spielte eine strategisch wichtige Rolle, wird sie doch durch ihre Spornlage von drei Seiten natürlich geschützt. 1939 baute die Armee hier einen weitläufigen Beobachtungsposten der Luftabwehr und einen Bunker. Beide können noch heute besichtigt werden.

Burgenromantik
Um 1500 stand die Ritterkultur des Adels vor dem Aus. Fast sämtliche Burgen der Schweiz wurden geplündert, vernachlässigt oder zerstört. Auch die Anlagen auf dem Wartenberg wurden im 15. Jahrhundert aufgegeben. Bereits in einem Schreiben aus dem Jahr 1470 werden der vordere und mittlere Burgkomplex als sogenannte „Burgställe“ bezeichnet, also als verlassene Ruinen.

Die Burgen als Herrschaftszeichen und Statussymbol hatten im 16. Jahrhundert ausgedient. Seit dem 19. Jahrhundert jedoch stellen sie wichtige Wahrzeichen der Schweizer Mentalität dar und werden schweizweit wieder auf- oder umgebaut. Auch ein Grossteil des Mittleren Wartenbergs wurde in den 1930er und 1950er Jahren umfassend renovierte. Den Turm der hinteren Burg wiederum restaurierte man erstmals 1901 und stattete ihn mit einem Holzaufbau aus. Wer ihn besteigt, der wird mit einer umwerfenden Aussicht belohnt.

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Appetit auf Bratwurst, Klöpfer oder in glühender Holzkohle gebackene Kartoffel? An allen drei Burgruinen des Wartenbergs sind Grillplätze zu finden.

Am besten startet man den Ausflug auf den Wartenberg vom Bahnhof Muttenz aus. Mit dem Bus Nr. 60 fährt man bis zur Haltestelle „Mittenza“. Gleich gegenüber der Station liegt die sehenswerte Dorfkirche St. Arbogast. Von hier führt ein steiler Wanderweg in rund 20 Minuten zur nördlich gelegenen Burg. Empfehlenswert ist jedoch der weniger anstrengende, dafür 10 Minuten längere Weg zur hinteren Burg. Von der Kirche aus via Burggasse, Hallenweg und Burghaldenstrasse führt dieser über rebenverhangene Felder. Die Besichtigung des Wartenbergs ist kostenlos.

 

Weitere Burggeschichten finden sich im Artikel:
„Eine Burg gehörte zum guten Ton“ (Heft 3/2014, S. 6-13).

 

Fotos © copyright 2017 TBJ / Martin Pütter

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