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Eine Ode an Basel

Für Expats kann der Begriff „daheim“ komplex und kontrovers sein. Aber einmal weg von Basel könnten sie wie TBJ-Autorin Ella Revitt erleben, dass die Liebe zu dieser Stadt mit der Entfernung wächst.

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Münster, Rhein und das Riesenrad zur Herbstmesse – wer Basel verlässt, vermisst dies vielleicht bald.

Von Ella Revitt

Der Basler Flughafen hat sich kürzlich für mich gewandelt. Früher hatte ich ihn verabscheut. Zurück von den Ferien oder einem Familienbesuch deprimierte mich der Gang durch die leeren, grauen Korridore, all die Freude der Reise war verschwunden. Ich war zurück im Alltag, zurück in Basel. Aber nun, da ich seit ein paar Monaten fern der Schweiz lebe, ist der EuroAirport ein willkommener Anblick: Ich bin wieder daheim.

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Basel kann so sehr vermisst werden, dass schon der EuroAirport ein willkommener Anblick ist.

Nachdem ich hier sechs Jahre gelebt hatte, ist Basel für mich mehr daheim als irgendein anderer Ort. Seltsamerweise fühle ich mich nun emotional verbunden mit der majestätischen Mittleren Brücke, den grünen und den gelben Trams, sogar mit meinen örtlichen Läden. Von hier wegzuziehen war schwer, es hat mir aber auch die Augen geöffnet. Ich habe dabei Glück, dass ich, obwohl ich anderswo studiere, immer noch meinen Wohnsitz in Basel habe. Bei meinem letzten Besuch wurde mir zunehmend bewusst, was ich hier liebe und vermisse.

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Eines der (vielen) Wahrzeichen Basels, welche die Autorin vermisst: die Mittlere Brücke.

Unser tägliches Leben, und wo wir es verbringen, ist oft verzerrt durch Druck oder durch Routine, und das lässt uns leicht vergessen, in welch glücklicher Lage wir sind. Laut dem Business Insider ist die Schweiz das drittbeste Land als Wohnort, aber wie viele von uns erkennen das an? Seit ich meine Zeit woanders verbringe, weiss ich Basels Schönheit und Effizienz zu schätzen.

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Effizienz und Pünktlichkeit der Basler Trams wird besonders von denen geschätzt, die Erfahrungen mit öffentlichem Verkehr anderswo gemacht haben 

Unabhängig von der Jahreszeit hat die Region Basel etwas anzubieten. Wir genossen kürzlich die Weihnachtsmarkt-Köstlichkeiten, umgeben von strahlenden Lichtern, Weihnachtsbäumen und nach Fondue riechenden Ständen (seit diesem Winter mag ich sogar diesen Käse-Geruch!). Ich freue mich auch schon auf die bald bevorstehende Fasnacht, mit Räppli-Stürmen und Waggis-Paraden. Felicity Chipperfield, die 2015 nach neun Jahren in Basel in ihre Heimatstadt in der Grafschaft Cheshire zurückkehrte, vermisst „alles, was damit zu tun hat: Morgestraich, Cliquen, Fasnachtsküechli.“ Sie vermisst es derart, dass sie dieses Jahr zur Teilnahme wieder hier ist.

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Sowohl Expats als auch Unesco haben die Bedeutung der Basler Fasnacht erkannt – letztere ernannte sie nun auch zum Weltkulturerbe.

Ich freue mich auch schon auf den Besuch im Sommer, mit Rheinschwumm, Open-Air-Kino und auf das Grillen im Freien. Danach dauert es auch nicht mehr lange, und das Riesenrad und die Bahnen werden für die Herbstmesse aufgebaut. Dies sind nur einige wenige Höhepunkte aus dem Basler Kalender. Dazu kommt auch noch Art Basel, Blumenpflücken im Frühling, das Feuerwerk am 1. August – die Liste ist noch lang. Einheimische mögen das banal oder monoton finden, aber es ist schätzenswert, denn es verleiht der Stadt ihre Eigenheit und Faszination.

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Ein Höhepunkt in Basels Kalendar – das Feuerwerk auf dem Rhein am späten Abend vor dem Schweizer Nationalfeiertag, dem 1. August.

Zudem kann Basel auch auf seine Effizienz stolz sein. Wenn es mal ganz selten vorkommt, dass ein Bus oder Tram ein paar Minuten zu spät ist, herrscht Empörung. Die andauernden Baustellen, auch wenn sie Grund zum Meckern bieten, sorgen dafür, dass Strassen, Trottoirs und öffentliche Plätze in hervorragendem Zustand bleiben. Schlaglöcher und schlechte Randsteine sind in Basel schockierend, anderswo hingegen die Norm. Miles Sankey, der Basel kürzlich aus Studiengründen verliess, betrachtet die Sicherheit im Leben in der Schweiz einen anderen Aspekt, der hier als selbstverständlich betrachtet wird. „Die Freiheit, die junge Menschen in Basel besetzen, habe ich erst bemerkt, als ich weg war“, erklärt er.

Wenn wir Gäste haben, sind diese überrascht, dass die ganze Stadt einmal pro Woche schliesst. Das mag unbequem für die sein, denen zufällig die Milch ausgeht, aber diese Sonntagsruhe hat auch Charme. Während andere Länder dies abgeschafft haben, erlaubt die Schweiz seinen Arbeiter, sich auszuruhen und zu erholen, bevor die neue Arbeitswoche beginnt. Diese Erholungszeit, zusammen mit der Familie, um runterzufahren, kommt der ganzen Schweizer Gesellschaft zugute.

Vermisst neben dem Stadtzentrum – Marktplatz, Spalenberg, Münster – habe ich auch die umliegende Landschaft. Ob das entlang der Birs sei, im Therwiler Wald, oder auf den Hügeln mit Blick auf das darunter liegende Arlesheim: Basels Einwohner haben leichten Zugang zu atemberaubender Landschaft. Die markierten Wege erleichtern das Wandern für alle in diesen Gebieten. Gleichzeitig hat die ganze Stadt gute Fahrradwege. Felicity möchte speziell den Park im Grünen (Grün 80) mit den grossen kinderfreundlichen Flächen; vergleichbare Möglichkeiten hat sie in Grossbritannien nicht gefunden.

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Selbst Dino in der Grün 80 wird sowohl von Baslern als auch Expats vermisst, sobald sie aus der Stadt weggezogen sind.

Auch das Basler Wetter, so unterschiedlich es sein mag, ist zu schätzen. In den Wintermonaten kann hier Schnee fallen, aber die Behörden sind darauf vorbereitet, dass es in der Region nicht zum Stillstand kommt. An heissen Sommertagen dagegen können die Menschen in Schwimmbädern faulenzen. Solch unterschiedliche Temperaturen sind selten an einem Ort zu erleben, aber es erlaubt hier, das Beste der Jahreszeiten zu geniessen.

Eines ist natürlich selbstverständlich: am meisten vermisse ich die Menschen in Basel – nicht nur Familie und Expats-Freunde, sondern auch einheimische Freunde. Schweizer mögen vielleicht nicht die freundlichsten Menschen sein, aber nach meiner Rückkehr hörte ich oft ein freundliches „Guete Morge.“ Miles glaubt zudem, dass Basels „familiäre Atmosphäre“ so leicht nicht woanders zu finden ist. Die Freundlichkeit der Basler ist subtil, unterschätzt, aber dennoch wichtiger Teil des Lebens hier. Vielleicht habe ich mich zu sehr an diese gelassene, harmonische Stadt gewöhnt – aber nirgends ist es so wunderbar wie in dieser malerischen Stadt am Rheinknie.

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