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Geisterjagd in Basels Gassen

Wer glaubt, dass Geister nur in viktorianischen Häusern oder Schlössern Grossbritanniens ihr Unwesen treiben, der irrt sich. Auch in den Basler Gassen geht seit Jahrhunderten der Spuk um.

Von Nicole J. Bettlé

Ob am Heuberg, an der Heuwaage oder dem Kreuzgang des Münsters: überall in Basel lauern Untote und Dämonen. Visit Basel mit seinem Team an Guides bietet einen „Ghost Walk“ durch die Altstadt an – für Expats auch auf Englisch. Gruselfans werden ihre Freude daran haben.

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Totengässlein – harmlos, fast heimelig bei Tag, heimgesucht bei Nacht

Auf dem spukreichen Rundgang hören Teilnehmer auch die Geschichte vom Wiedertäufer Joris. Zu Lebzeiten unter dem Namen Johann van Brügge bekannt, wohnte er Mitte des 16. Jahrhunderts in einem Herrenhaus am Heuberg. Erst drei Jahre nach seinem Tod erfuhr der Basler Rat sein dunkles Geheimnis: der einstige protestantische Flüchtling aus den Niederlanden war ein Oberhaupt der Wiedertäuferbewegung. Postum wurde er nachträglich wegen Ketzerei verurteilt, seine Leiche ausgegraben, geköpft, verbrannt und die Asche in den Rhein geworfen. Seither treibt Joris‘ Geist im Spiesshof sein Unwesen.

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Der Wiedertäufer findet keine Ruhe im Spiesshof, wo er einst gelebt hatte

Geheul und Skelette
Auf dem „Ghost Walk“ erfährt der Besucher auch einiges über Dämonengestalten und andere Spukwesen. Die Spalenvorstadt ist berüchtigt für eine grässliche Bestie, die mit ihrem übelriechenden Urin die Strasse markiert und mit Angst einflössendem Geheul den bevorstehenden Tod städtischer Amtspersonen voraussagt. Im Markgräflerhof wiederum geht der „weisse Tod“ um. Er lauert an den Fenstern eines Herrenhauses über der Hebelgasse. Von hier aus kündigt er ein grosses Unglück an. Und im Totengässlein schliesslich kann man in dunklen Winternächten manchmal gar eine Prozession der Untoten beobachten. Als Skelette durchwandern sie die Gassen und prophezeien den Tod durch die Pest oder ein anderes Unheil.

Herkunft
In der deutschsprachigen Folklore werden geisterhafte Gestalten unter dem Begriff „Wiedergänger“ zusammengefasst. Als mögliche Wiedergänger galten vor allem Menschen, die einen unerwarteten, unnatürlichen oder gewaltsamen Tod gestorben waren, aber auch Tot- und Missgeburten, Ungetaufte oder im Kindbett verstorbene Frauen. Während des Altertums sah man den Grund für den Spuk der Geister in einem nicht erfüllten Schicksal. Sie hatten im Diesseits noch eine Angelegenheit zu erledigen. Die katholische Kirche hingegen betonte vor allem ihren Sinn nach Rache.

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Im Kreuzgang des Münsters sind manchmal Klagen von Geistern zu hören

Das Geistertreiben nimmt für gewöhnlich seinen Anfang, wenn die Grabesruhe der Toten gestört wird oder ein Toter jemanden bestrafen will. Zu einem Brauch gehörte es daher, einem möglichen Wiedergänger einen Pfahl durchs Herz zu stossen. Auf diese Weise sollte er an die Erde geheftet und so an der Wiederkehr gehindert werden. Die Pfählung wurde zwar später von der Kirche verboten, dennoch blieb der Glaube an die Wiedergänger fest im Volksbewusstsein verankert. Dies kann man am Aufkommen der Grabsteine nachvollziehen. Ihre ursprüngliche Funktion war es nämlich ebenfalls, die Wiedergänger daran zu hindern, ihr Grab zu verlassen.

Kircheneinfluss

Mythen von Geistern und Dämonen sind so alt wie die Menschheit selbst. Die Vorstellung vom Wiederkommen der Toten gewann aber vor allem mit dem Kult um die sogenannten „Armen Seelen“ und mit der Marien- und Heiligenverehrung während des Mittelalters an Bedeutung. Vor allem die Kirche prägte die heutigen Anschauungen von geisterhaften und dämonischen Kreaturen.

Markgräflerhof
Von den Fenstern des Markgräflerhofs aus kündigt der “weisse Tod” grosses Unheil an

Obwohl die Beschreibungen von Geistern, Dämonen und sonstigen Spukgestalten fliessend sind, wären die Dämonen jedoch korrekterweise von ihnen zu unterscheiden. Denn bei den Dämonen handelt es sich vielmehr um göttliche Wesen. Doch auch sie tummeln sich in der Zwischenwelt. Die ältesten Überlieferungen, die bis in die Altsteinzeit zurückreichen, beschreiben sie als vogelartige Mythenwesen. Von den spätantiken Kirchenvätern wurde sie jedoch schon bald ihren eigenen Dämonen- und Engelvorstellungen einverleibt.

Am vielfältigsten jedoch sind diejenigen, die uns mit dem alten Volksglauben überliefert worden sind. Auf dem Rundgang durch Basels Gassen leben sie wieder auf. Der „Ghost Walk“ wird täglich und noch bis April jeweils abends durchgeführt, auch in englischer Sprache. Und wer jetzt noch in Gruselstimmung ist, dem sei der Beitrag „Von Untoten und Geistern“ empfohlen (The Basel Journal, 1. Heft 2015).

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