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Nasses Archiv des Zufalls

Seit Ende September 2017 bereichert das Museum für Geschichte am Barfüsserplatz die Kulturstadt Basel mit einer neuen, sehenswerten Ausstellung. Im Mittelpunkt des Interesses steht diesmal, was sich in den Untiefen der Gewässer in der Stadt verbirgt oder verborgen hat.

Von Nicole J. Bettlé

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Zu den Ausstellungsgegenständen gehört auch Schmuck, der den Weg auf den Flussboden des Rheins fand, oft aus unterschiedlichen Gründen

Das Historische Museum zeigt erstmals eine Sammlung von Fundstücke aus Basels Gewässern. Mehrere Tonnen Material wurden dazu aus dem Rhein, der Birs, Birsig oder der Wiese gefischt. Eine solche Ausstellung ist ein absolutes Novum für die Schweiz, da die Bergung vorhandener Objekte ein sehr schwieriges und aufwendiges Unternehmen darstellt. Starke Strömungen sorgen dafür, dass Flüsse nur sehr ungern ihre Schätze preisgeben.

Von Einst bis heute
Die Ausstellung „Aufgetaucht“ schlägt eine Brücke zwischen Vergangenheit und Gegenwart. Von urgeschichtlichen Versteinerungen, die ganze Äonen lang auf ihre Entdeckung gewartet haben, bis hin zu alltäglichen Gebrauchsgegenständen, die aus der diesjährigen „Ryybutzete“ ans Tageslicht befördert wurden, ist alles dabei. Nicht ausgeschlossen, dass auch Ihr Verlust zur Ausbeute beigetragen hat und Sie ihn nun in einer Vitrine wiederentdeckt können.

Besondere Hingucker sind natürlich vor allem die ältesten Exponate. Darunter befindet sich ein 250 Millionen Jahre alter, versteinerter Palmfarn oder das aus den Tiefen geborgene, älteste von Menschenhand hergestellte Objekt. Bei ihm handelt es sich um eine Art Hackmesser, das vor rund 100‘000 Jahren von einem Homo Erectus angefertigt wurde. Einige Backenzähne von Mammuts fanden ebenfalls ihren Weg in die Sammlung, waren die regionalen Flussufer Basels schliesslich beliebte Tummelwiesen für die einstigen Riesen.

Spannende Geschichten
Viele Ausstellungsobjekte fanden ungewollt ihr Grab im kalten Nass. Manche aber hat man auch gewollt dem Wasser übergeben. Seit jeher nutzt der Mensch Flüsse und Seen als Orte ritueller Handlungen. Einst wurden hier Göttern oder Heiligen wertvolle Waffen und Schmuckstücke geopfert oder aber Liebes- und Freundschaftsschwüre abgehalten. Diese Traditionen werden bis heute fortgeführt, wie das Museum an zahlreichen Exponaten aufzeigt.

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Eine leere Kasse, geborgen vom Flussboden des Rheins

Manchmal sind und waren Gewässer aber auch Orte, um Dinge zum Verschwinden zu bringen. Nicht nur nutzlosgewordene Alltagsgegenstände oder die Eheringe auseinandergelebter Liebespaare landeten auf dem tiefgelegenen Flussbett. Zu bestaunen ist auch Diebesgut, dessen sich die Räuber auf der Flucht entledigt hatten, oder das Equipment eines berühmten Raubüberfalls, der um 1960 durchgeführt wurde.

Rasierklingen beim Rheinbad
Einige Rasierklingen erzählen eine besonders bizarre Geschichte. Sie wurden beim Rheinbad „Breite“ entdeckt und sehr wahrscheinlich absichtlich am Einstieg deponiert. Den Badelustigen sollte wohl der Spass am Rheinschwimmen verdorben werden. Die Ausstellung wartet aber nicht nur mit diesen, sondern vielen weiteren skurrilen und lustigen Erzählungen auf.

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Mit Rasierklingen wollte wohl jemand den Rheinschwimmern den Spass verderben

Im Mittelpunkt der Ausstellung steht natürlich vor allem auch der Rhein, dessen bekannte Knieform erst vor etwa 4‘000 Jahren entstand. Nicht nur die Einheimischen haben seit jeher eine ganz besondere Beziehung zu ihm. Schon die Römer nannten ihn „pater Rhenus“ (Vater Rhein).

Klangraum
Der Rhein dominiert nicht nur visuell, sondern auch akustisch. Auf grossen Leinwänden werden Filmaufnahmen vom Unterwasserleben dieser wichtigen europäischen Wasserstrasse gezeigt. In einem speziellen Klangraum wiederum kann man sich sein urtümliches Rauschen unter der Wasseroberfläche anhören.

Die Besucher werden aber auch mit seinen Umweltproblemen konfrontiert. So ist der Rhein der weltweit am stärksten mit Mikroplastikpartikeln verseuchte Fluss, und der Fischbestand schwindet aufgrund der freigesetzten chemischen Schadstoffe und Hormone durch die Pharmaunternehmen weiterhin kontinuierlich. Diese und viele weitere wissenswerte Informationen werden hier den Interessierten nähergebracht. Die Ausstellung ist noch bis am 4. März 2018 zu besichtigen.

 „Aufgetaucht. Basels geheimnisvolle Wasserfunde“
Historisches Museum Basel, Barfüsserplatz
Öffnungszeiten 10.00 – 17.00 Uhr
Eintritt: CHF 17.- (Reduktionen für Gruppen sowie Schüler und Studenten, Kinder unter 13 Jahren Eintritt frei)
http://www.hmb.ch/

 

Fotos © 2017 Copyright TBJ/Martin Pütter

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