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Reise in die Vergangenheit

Ein einfacher Fussmarsch statt einer aufwendigen Zeitmaschine reicht, um in die Vergangenheit zu reisen. Wer den „Karstlehrpfad“ beschreitet, der vom tief geschnittenen Kaltbrunnental bei Grellingen ins waldige Brislachallmet führt, findet sich am Ende der Steinzeit wieder.

Von Nicole J. Bettlé

Der Karstlehrpfad ist ein 9,5 km langer, ausgeschilderter Wanderweg. Er bietet einen sehr interessanten Einblick in die Geschichte der Frühmenschen, die vor über zwanzigtausend Jahren in unserer Gegend gelebt haben. In seiner ganzen Länge führt der Weg von Zwingen über Brislachallmet zum Kaltbrunnental via Chessiloch nach Grellingen. Die Gehzeit beträgt ungefähr 2,5-3 Stunden.

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Mitunter eng und steil, das Kaltbrunnental.

Kochen wie zur Steinzeit
Auf dem Lehrpfad befinden sich zahlreiche Feuerstellen. Verköstigung auf steinzeitliche Art ist also ebenfalls möglich. Schutz gesucht haben die prähistorischen Menschen aber bekanntlich in Höhlen. Diese entstehen durch unterirdische Entwässerungs- und Lösungsprozesse. Umschrieben werden sie mit dem Begriff „Karst“. Er steht stellvertretend für alle verwandten Kalklandschaften, die solche Prozesse durchlaufen haben. Das Gebiet südöstlich von Zwingen bietet eine sehr gute Möglichkeit, verschiedene Karstphänomene auf kleinem Raum zu beobachten.

Die Höhlen, die hier entstanden, waren während der letzten Eiszeit wichtige Siedlungsstätten. Wann sie bewohnt waren und was alles in ihnen entdeckt wurde, steht auf den verschiedenen Bildtafeln, die den Wanderweg säumen. Sie vermitteln darüber hinaus auch sehr viel Wissenswertestes über die Höhlenforschung und informieren darüber, welche Höhlenarten es gibt, aus welchen Mineralien sie bestehen, wie ihre geologischen Formen zustande kamen aber auch welche Gefahren sie in sich bergen.

Auf zu den Höhlen
Drei Höhlen aus vorgeschichtlicher Zeit sind besonders sehenswert, darunter die sogenannte „Heidenküche“. Entdeckt und freigelegt hatte sie bereits 1883 John Benedikt Thiessing. Weitere Nachgrabungen führten Aimé Bienz (1885) und die Vettern Fritz und Paul Sarasin (1906) durch. Sie alle beförderten immer wieder besondere Fundstücke zu Tage, die unsere Ahnen hinterlassen haben.

Ein besonderer Augenfänger ist die „Kohlerhöhle“. Sie wurde 1934 von Heiz Kohler entdeckt und zusammen mit Carl Lüdin und Emil Kräulinger ausgegraben. Die Kohlerhöhle hat eine Tiefe von 18 Metern und liegt in einer gut sichtbaren Längskluft. Bei ihr handelt es sich um die Unterste von drei übereinander liegenden Höhlen, die alle einst bewohnt waren.

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Der Pfad zur Kohlerhöhle ist viel steiler, als er aussieht ((© 2014 copyright paebi, Bild unverändert, gemäss Lizenz)

Eine weitere Attraktion stellt die „Kastelhöhle“ dar. Sie wurde erst 1948 von Walter Kellenberger entdeckt. Gemeinsam mit Theodor Schweizer hat er bis 1950 hier archäologische Ausgrabungen durchgeführt. Ihre Fundstücke beweisen, dass der Frühmensch vor ungefähr 15-16‘0000 Jahren in dieser Gegend gejagt hat.

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Gut hinschauen ist manchmal nötig, um die Höhlen – hier die Kastelhöhle – vom Pfad aus zu sehen.

Schätze der Schweiz
Die Heidenküche ist eine der ältesten Fundstellen aus der Altsteinzeit, die je in der Schweiz entdeckt wurden. Die ältesten in der Schweiz geborgenen Zeugnisse des modernen Menschen (Homo sapiens sapiens) wurden ebenfalls hier im Kaltbrunnental gefunden. Sie befanden sich in der mittleren Fundschicht der Kastelhöhle. In manchen Fundschichten der Kohler- und Kastelhöhle entdeckte man sogar Spuren vom Neandertaler. Sie sind rund 30‘000 Jahre alt.

ibachhohle
Auch kleine Höhlen kommen im Kaltbrunnental vor, wie hier die Ibachhöhle

In der Kohlerhöhle hat man unter anderem Steinwerkzeuge, Fell- und Geweihbearbeitungen, Teile von Jagdwaffen, Nähnadeln und Schmuckstücke aus Tierzähnen ausgegraben. Entdeckt wurden auch versteinerte Muscheln und Schnecken aus der Gegend von Mainz in Deutschland. Durch sie konnte man die Wanderwege der nomadisierenden Frühmenschen nachvollziehen. Sie könnten aber auch ein Beleg dafür sein, dass diese Tauschhandel betrieben haben. Heute sind alle Fundstücke, die im Kaltbrunnental und Umgebung geborgen wurden, in verschiedenen Schweizer Museen zu besichtigen.

chessiloch
Am Chessiloch, dem Eingang zum Kaltbrunnental, haben die Soldaten im 1. Weltkrieg ihre Spuren hinterlassen.

Wer sich auf die Reise in die Vergangenheit begeben möchte, besteigt am besten die S3 am Bahnhof SBB Richtung Laufen/Delémont. Die Fahrzeit nach Zwingen beträgt etwas mehr als 20 Minuten. Wer es kaum erwarten kann, ins „Land der Höhlen“ zu kommen, kann auch schon in Grellingen aussteigen. Von hier aus führt der Weg zuerst am sehenswerten „Chessiloch“ mit seiner Gedenkanlage aus dem Ersten Weltkrieg vorbei. Für alle, welche die Höhlen auch von innen bestaunen wollen: gutes Schuhwerk anziehen und Taschenlampe nicht vergessen! Am 16. September 2018 feiert der Karstlehrpfad sein fünfjähriges Jubiläum, mit diversen Anlässen – Informationen sind erhältlich auf der Webseite zum Karstlehrpfad.

Alle Fotos © 2018 copyright Martin Pütter, sofern nichts anderes angegeben

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