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US-Präsidentschaftswahl strahlt auch nach Basel aus

Die USA bereiten sich vor, ihren nächsten Präsidenten zu wählen, den 44. im Amt seit 1789. Es fanden bereits drei hitzige und umstrittene TV-Debatten statt, wochenlange Schlammschlachten und endlose Medienberichterstattung. Der Ausgang des wohl umstrittensten Wahlkampf der US-Geschichte ist offen.

Von Lya Pfäffli

26‘672 US-Amerikaner waren 2013 in der Schweiz registriert, knapp neun Prozent davon in Basel-Stadt und Baselland – und trotz mehrerer tausend Kilometer zu ihrer Heimat sind sie vom Präsidentschafts-Wahlkampf betroffen. Denn egal wie lange sie schon fern der Heimat sind, sie dürfen immer noch ihre Stimme abgeben. „Dieser Wahlkampf war eine Schande für das politische System der USA. Dazu muss man nicht in einem anderen Land sein“, sagt die in Basel lebende Kathleen Moriarty. Aber nicht nur US-Expats sind besorgt, sagt die frühere IT-Netzwerkadministratorin Lisa S. (wohnhaft Baselland). „Ich hab mit vielen Expats – Briten, Australier und Amerikaner – über ihre Ansichten und Sorgen gesprochen. Sie verstehen die Bedeutung der US-Politik und wie sie die Welt beeinflusst.“

Auf die Frage, warum sie für Hilary Clinton stimmt, erklärt Moriarty: „Sie ist sich der Komplexität des Präsidentenamtes bewusst, sie hat Erfahrung darin, schwierige Entscheidungen zu treffen und steht hinter dem öffentlichen Dienst.“ Aber sie glaubt auch, „dass sie zu fest fixiert ist; und keiner von uns wirklich weiss, wer sie ist.“ Ihre Unterstützung, gibt sie zu, hat auch „mit offensichtlichen Gründen zu tun – es steht kein besserer zur Wahl.“ Sie kritisiert Clinton für den Umgang mit ihren E-Mails und glaubt, „wenn jemand nicht sofort reinen Tisch macht und Fragen auftauchen, ist das Vertrauen weg. Es wäre vieles einfacher geworden, wenn sie gleich alles zu Beginn offengelegt hätte.“ Lisa S. beharrt darauf, dass sie (Clinton), „obwohl sie nicht überall beliebt ist und ihr nicht voll vertraut wird, doch die bessere Wahl für wirtschaftliche Stabilität und für die Atomschlüssel ist.“

Ein Trump-Anhänger, der anonym bleiben will, glaubt, dass Clinton zu einfach davon gekommen ist und sagt, dass sie „mehrere Straftaten begangen hat, aber nicht strafrechtlich verfolgt wurde, weil in den USA die Exekutive (Präsident Obama) das Justizministerium kontrolliert, welches entscheidet, wer strafrechtlich verfolgt wird oder nicht.“

Andy Boller aus Basel dagegen glaubt, die Anschuldigungen gegen Clinton seien „eine unendliche Schmutzkampagne, die zurückgeht zu ihrer Zeit als First Lady.“ Er gesteht ihr ein, „dass sie hart ist“, bleibt aber dabei, „dass sie seit über 25 Jahren unter Beobachtung ist“, und ihre Unbeliebtheit hänge „mit Sexismus zusammen, oder bei den Frauen mit Eifersucht auf die Streberin.“

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Trumps Beliebtheit hat währenddessen Tiefschläge erlitten, wegen der Videos, in denen er Frauen degradierte. Lisa S. meint, dass Trump die letzten Wochen „politischen Selbstmord“ begangen hat und Clinton gewinne, „weil sie Karrierepolitikerin ist, die weniger als die Hälfte der Wähler beleidigt hat.“ Trumps Anhänger in Basel aber meint, „alle Anschuldigung, dass er Frauenhasser, Rassist, sexistisch und gegen Einwanderung ist, sind falsch und sollen ablenken.“

Auf Fragen wie Trump, ein Kandidat ohne vorherige politische Erfahrung, so viel Anhänger gewinnen konnte, antwortete Lisa S., „dass die Parteien nicht mehr auf die Mittelschichten hörten.“ Sie glaubt, die Regierung habe ignoriert, „wie ihr Leben beeinflusst wurde durch Rezession, Handelspolitik, steigende Lebenskosten, unfaire Unternehmenspolitik und die wachsende Kluft beim Einkommen. Andy hingegen glaubt: „Trump war unvermeidlich.“ Er glaubt, „die Leute mögen Trump, weil es dank ihm in Ordnung ist zu hassen. Im Kern waren die USA schon immer sexistisch, rassistisch und schwulenfeindlich, unterlegt durch eine egoistische Gier – alle wollen unbedingt Millionär werden. Sie wollen einen Retter, einen Allesfixer. Er artikuliert all ihre Ängste, ihren Frust, ihre Verluste und noch vieles mehr.“

Der Wahltag rückt heran – dann entscheiden die US-Amerikaner über ihre Zukunft. Die Spannung zwischen Demokraten und Republikanern ist greifbar – auch unterstrichen dadurch, dass die Hälfte der Befragten für diesen Artikel teilweise oder ganz anonym bleiben wollte.

„Wenn die Wähler für Clinton stimmen, wählen sie den gleichen Weg wie bisher, ohne wirklichen Wandel“, sagt der Trump-Anhänger, „Trump ist Pro-Amerika, Clinton global ausgerichtet – wollen die Wähler Wandel, sollen sie Trump wählen.“ Obwohl er erwartet, dass Clinton gewinnt, wäre er nicht überrascht, würde Trump einen Sieg im Stil von Brexit feiern. „Ich bin sicher, Millionen Amerikaner schweigen, aus Angst davor, von selbstgerechten arroganten Amerikanern lächerlich gemacht zu werden, die alle hassen, die nicht Demokraten sind – und die werden, wie ich, Trump wählen.“

 

Übersetzung: Martin Pütter
Karikatur DonkeyHotey

 

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